Als einziger Anhänger im Vergleichstest muss sich der Croozer Cargo Tuure mit acht Lastenrädern messen. Wie schlägt sich der gefederte Lastenanhänger für 499 € aus Köln? Kann sich die mit Abstand günstigste Cargo-Lösung im Vergleichstest trotz geringerer Zuladung als ernstzunehmende Alternative zum Lastenfahrrad behaupten?

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Mit unserer zweiten DOWNTOWN Jahresausgabe wollen wir euch dazu einladen, das Thema Mobilität neu zu denken. Mitten in einem Gezeitenwechsel, bei dem neue Lösungen schnell verherrlicht und alteingesessene Konzepte verteufelt werden, liefern wir euch Inspiration für einen bewussteren Lebensstil. Wir haben auf 270 Seiten Ideen zusammengestellt, wie ihr das meiste aus eurer Zeit macht und eure Lebensqualität bereichert. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Cargo-Bike im Test

Croozer Cargo Tuure | 10,6 kg | 499 € | Hersteller-Website

Euch fehlen ein Abstellort und das notwendige Kleingeld für ein Lastenrad, dafür steht bereits ein Fahrrad im Keller, optimalerweise sogar ein E-Bike mit Anhängerfreigabe? Dann ist der Croozer Cargo Tuure-Anhänger eventuell genau das Richtige für euch! Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Der Anhänger kostet mit 499 € weniger als 10 % eines guten Cargo-Bikes, passt zusammengefaltet in jede Nische, kann problemlos in den Keller getragen und im Zug oder Pkw mit in den Urlaub genommen werden. Das bereits vorhandene E-Bike wird auch weiterhin genutzt und die Lösung geht ohne Probleme als ökologisch nachhaltig durch. Klar, der Anhänger versprüht nicht den gleichen Charme wie ein Cargo-Bike. Die maximale Zuladung ist begrenzt und der Fahrspaß nicht wirklich vergleichbar. Im Prinzip ist es jedoch wie die Entscheidung zwischen einem großen Wohnmobil und einem Wohnwagen. Muss es gleich ein komplett neues Fahrzeug sein oder reicht je nach Einsatzzweck nicht auch eine Ergänzung zum bestehenden Fahrzeug aus?

Der Liter-pro-Euro-Gewinner! Der Croozer Cargo-Anhänger bietet 135 l Volumen Stauraum für 499 € – da können die Lastenfahrräder einpacken!

Bei 45 kg ist Schluss
Mehr als 45 kg Zuladung sind offiziell nicht freigegeben, das zGG darf 60 kg nicht überschreiten und die Last auf der Kupplung sollte im Bereich von 3 bis 11 kg liegen.
Ohne Last wird blaugemacht
Die wartungsfreie Croozer AirPad-Federung ist bei voller Beladung ein absoluter Gewinn. Ohne Zuladung scheint sie aber Urlaub zu machen: Der Anhänger springt dann auf ruppigen Wegen herum wie ein aufgeregter Zwergpudel.
Sicherheit durch Sicherung
Das Sicherungsfangband wird als zusätzliche Sicherung um die Sitz- bzw. Kettenstrebe geschlungen.

Croozer Cargo Tuure

499 €

Ausstattung

Reifen CST C1653X 16 x 1,5"

Technische Daten

Größe One Size
Gewicht 10,6 kg
Länge 82 cm
Breite 63 cm
Höhe 75 cm
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 60 kg

Besonderheiten

AirPad Federung


Drei in einem
Der seitliche Radschutz kann auch als Tragegriff oder zum Anschließen des Anhängers genutzt werden.
Lässt Parship blass aussehen
Der Croozer-Kupplungsmechanismus funktioniert simpel, schnell und hält bombenfest.
Ganz schön schmal
Die Reifen sind leider sehr schmal, müssen mit relativ hohem Druck gefahren werden und bieten keinerlei Dämpfung.

Wer die Croozer-Lastenanhänger der früheren Generation kennt, wird positiv überrascht sein, wie elegant der neue Tuure-Anhänger auf seinen kleinen 16”-Reifen angerollt kommt. Das Auf- und Abbauen dauert keine zwei Minuten und ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Der wasserabweisende Außenstoff umspannt einen hochwertig verarbeiteten Alurahmen und lässt sich mit zwei Reißverschlüssen komplett von vorne bis hinten öffnen. Wenn der Einkauf doch mal größer ausfällt als die Einkaufsliste, kann man sperrige Gegenstände daher auch einfach oben rausschauen lassen.

Bevor ihr den Anhänger an eurem Bike befestigt, müsst ihr unbedingt checken, ob euer Rad für Anhänger freigegeben ist. Ist euer Hinterrad per Schnellspanner befestigt, kann die Kupplung ohne Adapter o. Ä. angebracht werden. Für moderne Bikes mit Steckachsenbefestigung braucht ihr in der Regel eine separat erhältliche Steckachse, um die Kupplung zu montieren. Ist die Kupplung am Bike befestigt, wird die Deichsel einfach auf die Kupplung geschoben und automatisch arretiert. Für zusätzliche Sicherheit muss man nur noch das Sicherungsfangband um die Sitz- bzw. Kettenstrebe schlingen und los geht’s! Die Kupplung ist abschließbar, die Deichselbefestigung am Anhänger allerdings nicht. Zum Abnehmen des Anhängers muss man nur auf den Knopf der Kupplung drücken und die Deichsel abziehen.

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Bevor ihr euphorisch zum nächsten Baumarkt fahrt, um frischen Sand für den neuen Sandkasten im Garten zu kaufen: Mehr als 45 kg Zuladung dürfen es offiziell nicht sein! Und die sind mit feinem Rheinsand schneller erreicht, als man vermutet. Außerdem ist weder der Transport von Kindern noch der ihrer vierbeinigen Freunde erlaubt; auch S-Pedelecs mit einer Motorunterstützung bis 45 km/h dürfen sich keinen Anhänger anschnallen.

Cargo only. Der Anhänger darf bis 45 kg beladen werden, jedoch ausschließlich mit leblosen Lasten. Kids und Haustiere sind raus.

Für alle Leute mit Hund gibt es jedoch von Croozer eine tolle Alternative: Die drei Hundeanhänger Peppa, Jokke und Bruuno sind auch für große Hunde geeignet und kosten zwischen 699 € und 899 €. DOWNTOWN-Redakteur Manne sammelt mit unserem Office-Dog Henry im Croozer schon seit Jahren positive Erfahrungen, wie ihr in unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE lesen könnt. Die Ladefläche des Cargo Tuure ist mit 46 cm Breite, 69 cm Länge und einem Volumen von 130 l fast auf dem Niveau von Lastenfahrrädern wie dem R&M Load 60 oder dem eBullitt. Die Höhe ist mit verschlossenem Verdeck auf 31 cm vorne und hinten und 42 cm im mittleren Bereich begrenzt. Ihr habt ein E-Bike? Dann schaltet am besten direkt in den Modus mit höchster Unterstützungsstufe. Ihr seid noch immer auf einem klassischen Rad ohne Motor unterwegs? Dann wohnt ihr hoffentlich in einer Gegend, die mit ihrer Plattheit Pfannkuchen neidisch macht und nirgends nennenswerte Steigungen hat. Ohne Last zieht der Anhänger mit seinen 10,6 kg Eigengewicht wenig, mit dem E-Bike nimmt man ihn kaum wahr. Auf ebenen Untergründen kriegt man auch akustisch kaum etwas von ihm mit und er rollt leise hinter euch her. Geht es aber in unwegsameres Gelände mit größeren Kieselsteinen oder schlechten Feldwegen, springt der Cargo Tuure wie ein Grashüpfer hinter euch her. Die Federung kann ihre Daseinsberechtigung ohne Ladung kaum rechtfertigen und die dünnen Reifen, die mit relativ viel Druck gefahren werden müssen, tragen ebenfalls nicht zu einer ruhigen Fahrt bei.

Tuning-Tipp: keine

Mit Last verhält es sich anders. Der Anhänger ist mit zwei Wasserkisten, einer Tasche voller Lebensmittel und einem Blumenstrauß für Mutti nahe am Belastungslimit von 45 kg Zuladung. Die Beschleunigung ist auf einem Bike ohne Motor auf dem Niveau eines Faultiers und man kann nur hoffen, dass es vom Supermarkt aus nach Hause nur noch bergab geht. Ist der volle Anhänger in der Ebene einmal beschleunigt, lässt er sich überraschend leicht ziehen. Es reichen jedoch schon kleine Steigungen aus, um euch den Stecker zu ziehen – hier seid ihr mit einem E-Bike als Zugfahrrad deutlich besser beraten. Voll beladen kann nun auch die wartungsfreie Croozer AirPad-Federung glänzen, die auf einem Sylomer-Element basiert – einem elastischen Polyurethan-Werkstoff, der sowohl federt als auch Schwingungen dämpft. Durch das Gewicht der Zuladung bleibt der Anhänger auch in moderatem Gelände deutlich besser am Boden kleben und hüpft nicht mehr unkontrolliert durch die Gegend. Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und andere Unebenheiten werden effektiv entschärft und das Sprudelwasser kann zu Hause ohne lange Warterei geöffnet werden. Die vernietete Kunststoffbodenplatte des Croozer Cargo Tuure macht einen soliden Eindruck, trägt jedoch auch zu einer hohen Geräuschkulisse und dem Verrutschen der Ladung bei. Gerade für große und schwere Lasten wie eine Getränkekiste hätten wir uns die Möglichkeit zum Festzurren und eine Antirutsch-Behaftung gewünscht. Es sind leider weder Ösen noch andere Befestigungspunkte im Inneren vorhanden. Schade!

Was beim Transport schwerer Lasten entscheidend für die Sicherheit ist: einwandfreie Bremsen mit ordentlich Biss! Wenn es einen langen Berg hinabgeht und bis zu 60 kg von hinten schieben, müsst ihr euch absolut auf eure Bremsanlage verlassen können. Diesen Schub sollte man nicht unterschätzen und ein Plus an Bremsweg mit einberechnen. Eine Vollbremsung von hoher Geschwindigkeit aus kann mit einem ausbrechenden Anhänger überraschende Folgen haben und euer Hinterrad in einer Kurve komplett wegschieben. Kurven sollten allerdings sowieso langsamer gefahren werden, da die auftretenden Fliehkräfte den Anhänger umkippen lassen können. Beim Kurvenfahren und Rangieren darf der Winkel zwischen Bike und Deichsel nicht kleiner als 90° sein, bei Rechtskurven dürft ihr sogar noch weniger einschlagen, da sonst das Hinterrad die Deichsel berührt. Der Croozer Cargo Tuure-Anhänger ist mit einer Breite von 75 cm schmal genug, um sich auch zwischen urbanen Hindernissen durchzuquetschen. Ein Long-John-Lastenrad wie das R&M Load 60 ist mit 58 cm allerdings deutlich schmaler. Als Richtwert kann man sich an der Lenkerbreite orientieren. Wenn das Hindernis so hoch ist wie der Lenker und er trotzdem hindurchpasst, dann folgt auch der Anhänger, ohne anzuecken. Vor allem Umlaufgitter können tückisch sein, da das Gespann aus Fahrrad plus Anhänger mit 2,50 m eine beachtliche Länge erreicht – das R&M Load 60 ist im Vergleich mit 2,48 m fast genauso lang – und ein voll beladener Anhänger auch nicht mal eben angehoben und rangiert werden kann. Mit etwas Übung gewöhnt man sich aber schnell an den Croozer Cargo Tuure und hat für den Alltag eine super Möglichkeit, Einkäufe aller Art zu transportieren.

Fazit

Klein verstaubar, schnell auf- und abgebaut und vergleichsweise preiswert: Wenn ihr keinen Platz für ein klassisches Lastenrad habt, ist der Croozer Cargo Tuure eine attraktive Cargo-Lösung – denn mehr Preis-Leistung geht nicht! Allerdings empfehlen wir ein E-Bike als Zugpferd. Der Lastenanhänger ist hochwertig verarbeitet, hat eine große Ladefläche und eine Federung, die voll beladen effektiv arbeitet. Ohne Last gerät er jedoch schnell ins Hüpfen. Wer außer Lasten auch Kids transportieren und ein Maximum an Fahrspaß haben will, sollte sich nach einem Lastenrad umschauen.

Tops

  • hochwertige Verarbeitung
  • gute Federung bei voller Ladung
  • große Ladefläche
  • schneller Auf- und Abbau

Flops

  • gerät unbeladen schnell ins Hüpfe

Mehr Informationen findet ihr unter croozer.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Cargo-Bike im Test

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Endlich da: Mit unserer zweiten DOWNTOWN Jahresausgabe wollen wir euch dazu einladen, das Thema Mobilität neu zu denken. Mitten in einem Gezeitenwechsel, bei dem neue Lösungen schnell verherrlicht und alteingesessene Konzepte verteufelt werden, liefern wir euch Inspiration für einen bewussteren Lebensstil. Wir haben auf 270 Seiten Ideen zusammengestellt, wie ihr das meiste aus eurer Zeit macht und eure Lebensqualität bereichert. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

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Words: Philipp Schwab Photos: Robin Schmitt