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Was ist das beste (E-)Lastenrad 2020? – Die 9 wichtigsten und spannendsten Cargo-Bike-Konzepte im Vergleichstest

E-Lastenräder begründen einen neuen Lebensstil, eröffnen nie dagewesene Dimensionen der Freiheit und gelten als neues Statussymbol: cool, sportlich, nachhaltig. So viel Interesse und positive Vibes begegnen uns nicht mal im 911er! Wir haben 9 Cargo-Bike-Konzepte zwischen 499 € und 7.858 € getestet und einen klaren Testsieger gefunden.

Eines vorweg: Alles kann, nichts muss! Wir sind keine Fans von Dogmatismus, wir wollen euch weder zur Verkehrswende zwingen noch für die totale Abschaffung des Autos plädieren. Im Gegenteil, wir drücken mit dem Dienstwagen auf der Autobahn gerne mal aufs Gas, transportieren größere Waren im Sprinter oder zirkeln im historischen 911er mit Höchstgefühlen durch den Schwarzwald und über Passstraßen. Idealismus ist schön und gut, aber wir sind an der Realität interessiert. Daran, was für unseren Alltag die beste Lösung ist. Deshalb sehen wir Cargo-Bikes für viele Menschen als Mobilitäts- und Horizonterweiterung, als deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität, als neue Statussymbole, die Porsche und Rolex sogar übertreffen können – ja, ihr lest richtig!

Bei diesem großen Lastenrad-Vergleichstest geht es um mehr als den bloßen Vergleich von Produkten. Es geht darum, die vielen Anwendungsbereiche der Bikes aufzuzeigen, die wichtigsten Fragen zu beantworten und euch zu helfen, sich in diesem rasant wachsenden Markt zurechtzufinden. Denn nur dann kann man auch die richtige Kaufentscheidung treffen. Deshalb führen wir euch zuerst allgemein an das Thema heran, bei dem es viel zu verstehen und beachten gibt, bevor wir zu den einzelnen Modellen kommen. Bei jedem Cargo-Bike erklären wir euch dann klar und deutlich, für welches Einsatzgebiet und für welchen Fahrtyp das Modell gut ist und von was ihr die Finger lassen solltet.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ist ein E-Cargo-Bike überhaupt etwas für mich?
  2. Welche Cargo Bikes haben wir getestet?
  3. Unsere Cargo-Test-Philosophie, unser Testteam und unser Testrevier
  4. Worauf kommt es bei einem Cargo-Bike an?
  5. Welches Lastenrad ist das richtige für mich?
  6. Was ist das beste E-Cargo-Bike 2020?

1. Ist ein E-Cargo-Bike überhaupt etwas für mich?

E-Lastenräder bieten eine neue Lebensqualität, die man sich kaum vorstellen kann, bis man es selbst ausprobiert hat. Deshalb wollen wir mit dir ein kleines Gedankenexperiment starten, das auf wahren Begebenheiten und Erfahrungen während unseres Vergleichstests beruht.

Stell dir vor, …

  • … du könntest mit deinem Alltagsmobil nicht nur über Straßen, sondern auch mit Spaß durch den Wald und über Trails pendeln! Auch das geht mit manchen Cargo-Bikes!
  • … du genießt Cabrio-Feeling – obwohl du nicht mal in einem Auto sitzt.
  • … du erhältst mit deinem 6.000 € teuren Cargo-Bike mehr Street-Credibility, mehr positive Vibes und mehr begeisterte Blicke als der Nachbar mit seinem Ferrari. Mehr Statussymbol geht aktuell nicht!
  • … du kommst mit deinem Nachwuchs bei uns in der Redaktion vorbei, um kurz mal ein Lastenrad auszuprobieren und deine Kinder wollen aus dem Lastenrad gar nicht mehr aussteigen. Das war ein teurer Besuch, weil du jetzt so oder so eines kaufen musst … Sorry, Kilian und Erwin!
  • … als Early-Adopter ebnest du in deiner Clique den Weg für einen neuen Lebensstil – ein Großteil deines Freundeskreises kommt zu dir, um dein neues Cargo-Bike auszuprobieren, es zu bewundern und von dir zu lernen!
  • … du musst dich nicht mehr durch enge Parkhäuser quälen oder drei Mal um den Block fahren, um einen Parkplatz zu finden.
  • … du holst während des Corona-Lockdowns Take-Away-Essen im griechischen Restaurant deines Vertrauens und der Geruch von Gyros hängt nicht wie sonst zwei Wochen lang im Leder deines Porsche Taycan, weil dir auf dem Cargo-Bike der Wind um die Nase geweht hat.
  • … du kannst mit deinen Kids oder Vierbeinern Abenteuer erleben, die bislang nur mühsam möglich waren. Das Gleiche gilt für Grillpartys im Grünen – auf einmal wirst du dafür gefeiert, dass du mühelos Brennholz, Bierkästen und, wenn es sein muss, sogar den Weber-Grill an tolle, mit dem Auto nicht erreichbare Orte bringen kannst. Grillen oder Picknick im Freien war nie so einfach!
  • … du brauchst für ein gelungenes #vanlife keinen Riesencamper, sondern machst Overnighter auf zwei Rädern und mit allem Luxus, den man sich wünschen kann – inkl. Perserteppich und Kaffeeservice.
  • … du musst dir um das Abstellen deines E-Lastenrades keine Sorgen machen, weil es über GPS-Tracking und umfassende Versicherungen verfügt. Services wie beim Auto!
  • … die Städte werden leiser, weil mehr Cargo-Bikes unterwegs sind und deine Nachbarin nicht mehr mit ihrem dicken Mercedes-AMG zur Arbeit röhrt, sondern auf dem E-Cargo-Bike gleitet.

So viel zum Gedankenexperiment, doch wie schon gesagt, wir sind Fans von Realismus und Fakt ist: Wenn man einmal ein Cargo-Bike im Alltag genutzt hat, dann muss man nicht mehr überzeugt werden, man überzeugt sich selbst! Man realisiert nicht nur recht schnell, dass man in seinem bisherigen Leben einiges verpasst hat, sondern auch das Potenzial der E-Cargo-Bikes. Denn sie begründen einen einzigartigen Lebensstil, eröffnen eine neue Dimension der Freiheit und gelten als eines der angesagtesten Statussymbole in modernen Citys: sportlich, nachhaltig und gewissenhaft. Sie machen nicht nur verdammt viel Spaß, sondern ziehen sogar jeden Sportwagen ab. Natürlich nicht unbedingt an der Ampel, aber bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 15 km/h in den meisten Innenstädten ist man mit dem Cargo-Bike meist schneller am Ziel als mit dem Auto. Und man erhält mit keinem Sportwagen so viele positive Vibes und Zusprüche von begeisterten Passanten wie mit dem Cargo-Bike. Was will man mehr?

Combinism – Auto, Metro und Cargo-Bike im Einklang

„Verkehrswende jetzt! Koste es, was es wolle!“ In der zeitgenössischen Bio-Demagogie dämonisiert man den Verbrenner und die teuflische Industrie dahinter. Die Schuldfrage scheint geklärt, das Auto ist per se böse. Doch wir würden es uns hier zu einfach machen, wenn wir für die Abschaffung des Autos plädieren und behaupten würden, dass Cargo-Bikes alle urbanen Mobilitätsprobleme lösen. Ein Lastenrad mit Elektroantrieb kann ein Auto ersetzen, muss es aber nicht. Denn bei sehr schlechtem und kaltem Wetter gibt es bessere Fortbewegungsmittel und Lieferdienste. Viel wichtiger ist es, seine Optionen zu kennen und für den richtigen Anlass die beste Wahl zu treffen. Muss man sich überhaupt beruflich fortbewegen oder reicht heute in den meisten Fällen auch das virtuelle Meeting? Muss ich ein Auto besitzen oder reicht eines der zahlreichen Car-Sharing-Modelle? Welche alternativen Transportmöglichkeiten wie z. B. Bus, Metro, U- und S-Bahn gibt es? Wenn ihr euch das Lastenrad in der Familie oder WG teilen wollt: Wer fährt in meinem Haushalt wie viel und wann? Das sind Fragen, die wir nicht für euch beantworten können, sondern die ihr euch ganz individuell stellen müsst. Wenn es das Budget zulässt, kann man die Vorteile unterschiedlicher Fortbewegungsmittel im jeweils richtigen Moment nutzen – besser geht’s nicht!

Her mit den Vorurteilen!

Vorurteile hindern uns daran, tolle Momente zu erleben und wertvolle Erfahrungen zu machen. Und so ist es auch bei E-Lastenrädern. Während unseres Cargo-Bike-Vergleichstests sind uns die unterschiedlichsten Meinungen und Vorurteile begegnet. Zudem wurden aus manchen Dingen Probleme gemacht, die eigentlich gar nicht existieren.

Schwerlasttransporter? Nein danke!

Auch wenn der meist lange Radstand es vermuten lässt – gute Lastenräder fahren sich nicht wie Lkws, sondern bieten extrem viel Fahrspaß! Bei manchen Lastenrädern lässt sich der große Wendekreis nicht wegdiskutieren, andere Lastenräder wie z. B. das Muli Muskel lassen sich fast schon auf dem Bierdeckel drehen. Cargo-Bikes wie das Bergamont E-Cargoville LJ 70 fahren sich wie Carving-Ski. Stimmt die Gewichtsverteilung, dann wird das Transportieren schwerer Lasten dank E-Motor zum Kinderspiel!

Ich hab keinen Platz zum Abstellen!

Ja, Cargo-Bikes sind größer als normale Fahrräder und lassen sich – mit ein paar Ausnahmen – nicht in den Keller tragen. Doch das muss man auch nicht! Lastenräder sind aufgrund ihrer sperrigen Dimensionen und ihres hohen Gewichts weniger diebstahlgefährdet als eine Vespa. Wenn du meinst, man könnte ein so teures Produkt nicht auf der Straße stehen lassen, warum lassen dann fast alle ihre meist deutlich teureren Autos oder Motorräder auf der Straße stehen? Soll heißen: Auch ohne Garage oder Keller kann man ein Lastenrad besitzen. Wichtig ist, das Cargo-Bike richtig an- und abzuschließen und, sofern möglich, das Display, die Akkus etc. zu entfernen. Extra sicher und beruhigend für den Schlaf sind GPS-Tracker wie das RX-System von Riese & Müller oder die GPS-Lösung von PowUnity, die sich für alle hochwertigen E-Bikes nachrüsten lässt.

E-Lastenräder sind ganz schön teuer!

Klar, im Vergleich zum Drahtesel aus dem Studium stellen E-Lastenräder eine ernsthafte Investition dar. Allerdings übernimmt ein Cargo-Bike nicht nur die Funktion eines Fahrrads, sondern kann auch ein Fahrzeug ersetzen. Soll heißen: Spaß- und Nutzfaktoren sind bei einem guten Lastenrad enorm hoch. Clevere Detaillösungen, (noch) vergleichsweise geringe Stückzahlen und innovative E-Antriebskonzepte bilden dann letztlich einen Preis, der auf den ersten Blick happig erscheint. Vergleicht man die tatsächlichen Kosten pro Kilometer aber bspw. mit denen des Zweitwagens, relativiert sich das Preisschild schnell. Zudem gibt es in vielen Regionen und Ländern eine staatliche Förderung für E-Lastenräder. Außerdem gilt: Der Fahrspaß, die Zeit- und Stressersparnis durch ein E-Cargo-Bike lassen sich nicht in Geld aufwiegen. Infos zum cleveren Kauf und E-Lastenrad-Förderprogrammen findet ihr hier.

So viel wie mit meinem Auto kann ich mit einem Cargo-Bike nie transportieren!

Wenn du nicht gerade ein professionelles Umzugsunternehmen betreibst oder deine 7-köpfige Gefolgschaft durch die Gegend kutschieren musst, dann wird dir die Ladefläche deines Cargo-Bikes in der Regel genügen. Auch hier gibt es große Unterschiede bei der Ladeflächen-Bauart (siehe nächstes Kapitel) und verschiedene Größen. Egal ob Smart oder 911er, manche Dinge lassen sich in deinem Alltagsauto deutlich schlechter oder gar nicht transportieren. Das Kofferraumvolumen ist das eine, die realen Dimensionen und deren Nutzbarkeit sind das andere. Weil Lastenräder in ihrer natürlichen Lebensform oben offen sind, passt in sie dann doch oft mehr rein als in einen Kofferraum.

Unnützes Wissen:
Kofferraumvolumen 911: 120 l
Ladevolumen R&M Load 60 Cargo-Bike: 130 l
Kofferraumvolumen Mercedes Sprinter: 7.800 l

Augen auf beim Palmenkauf – egal ob Smart, Porsche oder Audi A6 Kombi, in keines der Autos passt sie rein. Mit dem Cargo-Bike? Kein Problem!

Klingt cool, ABER: Aus meinem Hamsterrad komme ich nie raus!

Du klagst darüber, dass deine Tage schnell verfliegen, dein Job ein Hamsterrad und dein Alltag nichts weiter als durchgetaktete Routine ist? Dann ist es höchste Zeit, den Takt zu ändern und aus dem Hamsterrad auszusteigen, denn es ist immer der Hamster, der das Rad antreibt. Klingt einfach? Ist es theoretisch auch, allerdings darf man die Macht der Gewohnheit nicht unterschätzen. Probier es aus, lass dich begeistern und mach aus dem Cargo-Bike eine neue Routine, indem du regelmäßig Fahrten in deinen Alltag einplanst. Irgendwann realisierst du, dass die neue Routine gar keine Routine ist, die Freude am Fahren und an der alltäglichen Mobilität zurückkommt und du jeden Tag Neues entdeckst, nur keine Hamster mehr!

Back to the Roots: Cargo-Bikes als Big Business!

Industrie-Experten sehen in Cargo-Bikes einen der größten Trends der kommenden Jahre für die urbane Mobilität und die Bike-Industrie. 2019 wurden in Deutschland bereits über 75.000 Lastenräder verkauft, wovon über zwei Drittel mit E-Motor ausgestattet waren. Cargo-Bikes werden nicht nur das Stadtbild ändern und das Privatleben vieler Menschen verbessern, sondern auch neue Möglichkeiten für Geschäfte und Unternehmen eröffnen. Laut der Studie Moving Europe Forward von CycleLogistics können rund 51 % aller motorisierten Transporte bis 200 kg in europäischen Städten mit dem Bike, speziell mit Lastenrädern, erledigt werden. Übrigens: Lastenräder sind nicht nur ein Hype, es gibt sie bereits seit über hundert Jahren. Als Automobile noch ein rares Fortbewegungsmittel in den Städten waren, nutzte man Cargo-Bikes, meist in Form von Dreirädern, für unterschiedlichste Dienstleistungsangebote und natürlich zum Transport. In diesem Sinne: Back to the Roots!

2. Testfeld und Typologie: Welche Cargo-Bikes haben wir getestet?

7 E-Cargo-Bikes, 1 Lastenrad ohne Motor und 1 Spezialgast – das Testfeld unseres großen Lastenrad-Vergleichstests ist bunt gemischt und dennoch perfekt vergleichbar. Für das breite Testfeld zwischen 499 € und 7.858 € gibt es gute Gründe. Um sie zu transparent zu machen, müssen wir kurz ausholen und das große Ganze erklären.

Welche unterschiedlichen Lastenrad-Konzepte gibt es?

Lastenrad ist nicht gleich Lastenrad. Es gibt unterschiedlichste Cargo-Bike-Konzepte, um Lasten effektiv, sicher und komfortabel zu transportieren. Insgesamt unterscheidet man zwischen drei Lastenrad-Typen für den Privateinsatz. Für B2B-Anwendungen gibt es noch zweispurige Schwertransporter-Cargo-Bikes mit großer Ladefläche hinten oder vorne und Anhänger-Lösungen wie CARLA CARGO oder der BicyLift Trailer von FlexiModal für den Transport sehr großer Gegenstände – beispielsweise von Lastenrädern. 😉

Zwischen den verschiedenen Lastenrad-Typen gibt es große Unterschiede in Sachen Schwerpunkt, Fahrstabilität, Usability und Aufwand zum Beladen. Je nach Bauweise sind Modelle universeller oder nur spezifisch einsetzbar, fahren sich mit Beladung besser oder spürbar schlechter. Es gibt ein paar allgemeingültige Merkmale für jeden Lastenrad-Typ, aber am Ende kommt es vor allem darauf an, wie der Hersteller seine Modelle designt und das Gesamtkonzept umgesetzt hat. Deshalb lohnt es sich die einzelnen Testberichte zu den Lastenrädern zu lesen – denn dort stellen wir die individuellen Stärken und Schwächen jedes Modells vor.

Long-John

Bei Long-John-Cargo-Bikes befindet sich die Ladefläche vor dem Fahrer bzw. der Fahrerin, quasi zwischen Lenker und Vorderrad. So hat man seine wertvolle Ladung stets im Blick. Je nach Aufbau ist der Schwerpunkt recht tief und immer zwischen den beiden Rädern und das Bike lässt sich aufgrund seiner einspurigen Bauweise meist recht dynamisch fahren. Das macht nicht nur Spaß, sondern auch Sinn in engen Gassen. Je nach Modell gibt es jedoch riesige Unterschiede in Sachen Wendekreis, Agilität und Fahrstabilität. Es gibt sogar Long-Johns mit einklappbarer Ladefläche wie das Muli – solche Bikes sind beim Parken deutlich platzsparender und sie sind super schmal, wenn man ohne Ladung unterwegs ist. Will man ein Long-John abstellen, muss man immer den Ständer benutzen. Gerade wenn ihr häufiger schwere und große Lasten transportieren, aber einen Hexenschuss vermeiden wollt, ist es sinnvoll, ein Long-John mit keiner oder nur einer niedrigen Seitenwand zu nehmen.

Longtail/Backpacker/Bakery-Bike

Rauf den Rucksack und ab in die Welt hinaus! Longtail-, Backpacker und Bakery-Cargo-Bikes kommen konventionellen Fahrrädern in Sachen Sitzposition, Fahrverhalten und Wendekreis am nächsten. Sie lassen sich genauso leicht fahren und sind meist recht agil. Sie besitzen oft ein verlängertes Heck mit extra großem Gepäckträger, das dem Fahrrad Laufruhe verleiht und auf dem Lasten oder bis zu drei Kids Platz finden. Für den Nachwuchs gibt es häufig modulare Aufbauten mit Kindersitzen, Fußstützen und Haltegriffen. Die Geheimwaffen der Longtails und Backpacker sind große Gepäckträgertaschen mit massig Stauraum für große Einkäufe. Ein Frontträger, der bei den meisten Longtail- bzw. Backpacker-Cargo-Bikes optional erhältlich ist, macht das Bike dann zu einem Bakery-Bike – denn früher wurden auf den stabilen Front-Racks die Backwaren ausgefahren. Vielleicht sollte man sie heute Lieferando-Cargo-Bikes nennen?!

Dreirad/Trike

Bei den Dreirädern, auch Trike-Cargo-Bikes genannt, gibt es zwei Bauarten: entweder mit der Transportbox zwischen beiden Vorderrädern oder zwischen beiden Hinterrädern. In der Theorie sind Dreirad-Cargo-Bikes einfach zu fahren, da man das Gewicht weniger ausbalancieren muss als bei einspurigen Lastenrädern. Doch das gilt nur, solange man geradeaus fährt. Sobald Fahrdynamik und multidirektionale Kräfte in Kurven ins Spiel kommen, wird es schwierig. In der Praxis sind Dreiräder häufig nervös, haben schlechte Hebelverhältnisse und ungünstige Lastverteilungen. Gerade bei schneller Fahrweise kann es sein, dass man mit einem Dreirad umkippt oder in einen kritischen Grenzbereich kommt. Das hängt maßgeblich von der Lenkungsart und dem Fahrwerk des Dreirads ab, die das Handling stark beeinflussen. Im Prinzip gibt es zwei Lenkungsarten: einmal die Schwenkachslenkung, bei der sich der Kasten beim Lenkvorgang mitbewegt. Ganz anders bei Option zwei: Die Achsschenkellenkung kennt man vom Auto; hier besitzen die Vorderräder jeweils eine eigene Schwenkachse und können dadurch den Spurdifferenzwinkel besser kompensieren, der sich je nach Lenkeinschlag bzw. gefahrenem Kurvenradius ändert. Manche Bikes wie z. B. das Butchers & Bicycles Mk1-E kombinieren die Achsschenkellenkung mit einer Neigungstechnik, um die Lastverschiebung in Kurven sowie Höhenunterschiede in der Fahrbahn auszugleichen – das ist clever gedacht, in der Praxis kommt das Konzept jedoch häufig an seine Grenzen. Bei diesen Bikes ist es super wichtig, eine Probefahrt unter realen Bedingungen mit Beladung zu machen!

Anhänger

Ja, das ist auch eine Cargo-Option, denn es muss nicht immer ein klassisches Cargo-Bike sein! Die günstigste Variante für alle, die bereits ein E-Bike mit Anhängerfreigabe besitzen: Besorgt euch einen Anhänger, um Lasten zu transportieren. Das ist vor allem eine rationale und funktionale Lösung, denn zugegebenermaßen kann man das moderne Image und spaßige Fahrgefühl eines Long-Johns mit einer Anhängerlösung kaum erreichen. Je nach Modell und Montage kann sich das Fahrverhalten eures Bikes mit einem Anhänger deutlich verändern. Die gute Nachricht: Mit einem Anhänger seid ihr flexibel, braucht kein neues Bike und kommt somit am günstigsten davon! Der Markt bietet ein- und zweispurige Optionen mit und ohne Federung. Da ist alles dabei, von der Speziallösung für den Hund bis zum Schwerlastanhänger oder Kinderanhänger, der im Handumdrehen zum Kinderwagen wird.

Unser Cargo-Bike-Testfeld

Für diesen Cargo-Bike-Vergleichstest haben wir den Fokus ganz klar auf Lastenräder mit Elektroantrieb gelegt. Selbst wenn man im flachen Amsterdam oder in Buxtehude lebt, profitiert man von einem guten E-Antrieb, der mehr Leichtigkeit und Fahrspaß bringt und dafür sorgt, dass man häufiger, schneller und weiter mit dem E-Cargo-Bike unterwegs ist. Wir haben die sieben vielversprechendsten E-Lastenräder mit Qualitätsanspruch ausgewählt. Das Testfeld haben wir um einen Croozer-Lastenanhänger und das nicht motorisierte, super kompakte Muli Muskel erweitert, um euch die unterschiedlichen Einsatzbereiche, typenspezifischen Besonderheiten und allgemeinen Cargo-Möglichkeiten umfassend erklären zu können und ein ganzheitliches Bild zu zeichnen.

Bike Preis Testmodell Gewicht Motor Akku
Bergamont E-Cargoville LJ 70
(Zum Test)
5.399 € 45,9 kg Bosch Cargo Line Cruise 625 Wh
Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic
(Zum Test)
7.626 €
(ab 6.699 €)
51,3 kg Bosch Performance Line CX*** 500 Wh
Croozer Cargo Tuure
(Zum Test)
499 € 10,6 kg
Larry vs Harry STePS eBullitt E8000 XT Di2
(Zum Test)
6.336 €
(ab 5.125 €)
36,6 kg Shimano STEPS E8000 1.008Wh*
Muli-Cycles Muli Muskel
(Zum Test)
3.045 €
(ab 2.725 €)
27,4 kg
Riese & Müller Load 60 Touring GX
(Zum Test)
7.858 €
(ab 5.999 €)
45,5 kg Bosch Cargo Line Cruise 1.000 Wh*
Riese & Müller Multicharger GT Vario
(Zum Test)
5.008 €
(ab 4.699 €)
38,2 kg Bosch Performance Line CX 500 Wh
Tern GSD S00
(Zum Test)
6.082 €
(ab 4.999 €)
42,8 kg Bosch Performance Line CX*** 1.000 Wh*
Urban Arrow Family Performance CX Disc Zee 500 Wh
(Zum Test)
5.390 € 52,0 kg Bosch Performance Line CX*** 500 Wh
Ø 5.908 €** Ø 42,5 kg**

*Doppelakku **ohne Croozer-Anhänger ***Vorgängermodell

Warum sind die Lastenräder in diesem Testfeld so teuer?

Weil wir verhindern wollen, dass du zweimal kaufen musst … Im Ernst: Natürlich gibt es günstigere E-Cargo-Bikes, doch hier ist Vorsicht geboten. Einige der von uns getesteten, hochwertigen Lastenräder haben bei einem Durchschnittspreis von rund 6.000 € noch immer ihre Schwächen oder Kritikpunkte. Bei günstigeren Bikes werden die zwangsläufig zunehmen. Qualität hat einfach ihren Preis und gerade in Sachen Haltbarkeit, Stabilität und Service-Angebot sind Motoren von Bosch oder Shimano meilenweit besser als No-Name-Produkte.

3. Wichtig fürs Verständnis: Unsere Cargo-Test-Philosophie, unser Testteam und unser Testrevier für die heißesten Cargo-Bikes 2020

Ursprünglich wurden Cargo-Bikes vor allem im Flachland genutzt. Logisch – wer will schon schwere Lasten im Schneckentempo mit reiner Muskelkraft die Berge hinauf treten? Doch der Einsatz von E-Motoren hat den Anwendungsbereich liberalisiert und neue Regionen zu wahren Cargo-Bike-Metropolen gemacht.

Als Test-Location haben wir eine der forderndsten Regionen gewählt, die man sich ausdenken kann: unsere Heimat – die Auto-Weltstadt Stuttgart, in der internationale Industrieriesen wie Porsche oder Mercedes-Benz und Zulieferer-Giganten wie Bosch oder MAHLE zu Hause sind. Aber wir sind nicht nur durch den dichten Verkehr, belebte Knotenpunkte, enge Gassen und Hinterhöfe gezirkelt, sondern haben uns auch in Vorstädte und die nähere Umgebung gewagt wie Leonberg, wo unsere Redaktion sitzt, und Ludwigsburg, wo Kopfsteinpflaster und Offroad-Passagen unsere Hintern und Hände auf die Probe gestellt haben. Zudem findet man in der Hauptstadt des Ländles die vermutlich härteste Topografie mit super steilen Anstiegen, die man in dieser Form vielleicht noch in Lissabon oder San Francisco vorfindet. Damit war schnell klar: Was unsere Tests überlebt, wird in flachen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München problemlos funktionieren.

Wer uns kennt, der weiß, dass wir keine halben Sachen machen. Deshalb haben wir für diesen Cargo-Bike-Vergleichstest keine Mühen gescheut und die Kompetenzen all unserer Magazine gebündelt: Die Redaktionen von E-MOUNTAINBIKE, GRAN FONDO und ENDURO haben ihr kollektives Know-how im Bereich E-Motoren, Akku-Technologie, Connectivity, Fahrwerk und Konstruktion in die Bewertung der Lastenräder einfließen lassen. Diese professionelle Testkompetenz von Redakteuren, Ingenieuren und Testfahrern, die jedes Jahr teils über 100 unterschiedliche Bikes fahren, haben wir mit der Unbedarftheit von Neulingen und Menschen unterschiedlichsten Alters kombiniert, die noch nie ein Cargo-Bike gefahren sind. Dazu haben wir wieder mal unseren halben Freundeskreis und unsere Familien eingeladen – vom Zahnarzt über 10-jährige Zwillinge und 70-jährige Großeltern bis zu jungen Eltern mit Babys. Auch unsere Hunde mussten für Testfahrten herhalten. Das war eine gehörige Portion Aufwand, aber es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass wir keinen Spaß dabei hatten! Im Gegenteil: Die Erkenntnisse und die erleuchtenden Momente waren jede Mühe wert.

Kilometer am 25-km/h-Speed-Limit entlang des Neckars zu fressen war dabei genauso relevant wie normierte Fahrtests mit Maximal-Zuladung, Ladevolumen-Experimente, Overnighter mit Perserteppich und Untersuchungen in Sachen Fahrstabilität mit leicht angetrunkenen Mitgliedern der Testcrew *räusper* – auf abgesperrten Teststrecken natürlich. Für Style-Tests – wer bekommt mehr Aufmerksamkeit und positive Vibes? – haben wir die Cargo-Bikes zum Dinner ausgeführt, und zwar dort, wo die Sportwagen vor der Tür parken und wo „sehen und gesehen werden“ oberste Priorität hat. Ratet mal, wer gewonnen hat?

Testimonials unserer Testcrew

Benjamin (29, Chefredakteur DOWNTOWN)
Einkauf in der City, Abenteuer und Pendeln. Ein E-Cargo-Bike ist für mich das bessere Auto: ohne Stau, ohne Stress, ohne Parkplatz-Gesuche. Da ich keine Garage habe, brauche ich für einen sorgenfreien Schlaf die richtige Diebstahlsicherung. Für mich bedeutet das: Schloss und GPS-Tracker. PowUnity bietet Nachrüstoptionen an, die RX Connect-Lösung von R&M mit GPS-Tracker, Versicherung und Wiederbeschaffung-Service ist jedoch noch mal next level!
Erik (49, Geschäftsführer ESG EuropService, hat bereits über 200 Porsche in seinem Leben gekauft)
Von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden – mein neuer Taycan Turbo hat ein sagenhaftes Handling und bringt viel Fahrspaß. Ein Cargo-Bike aber auch! Beide bieten ein auf ihre Weise neues Fahrgefühl. Es ist unglaublich, wie viele Leute einen wegen dieser Gefährte ansprechen – das sind meist sehr nette Gespräche, in denen sich die Menschen öffnen.
Jule (28, Schauspielerin und junge Mama)
Design macht keinen Spaß ohne Funktion! Das Butchers & Bicycles hat mich auf den ersten Blick begeistert, doch das nervöse Handling und die ungünstige Lastverteilung haben mich schließlich ernüchtert. Denn wenn ich mich unsicher fühle, setz ich mich nicht aufs Bike.
Kilian (38, Zahnarzt unseres Vertrauens)
Das Riese & Müller Load 60 hat eine Straßenlage – brutal! Meine Kids wollten da gar nicht mehr raus. Jetzt muss ich wohl ein Cargo-Bike kaufen, der T5 bleibt dann häufiger in der Garage! Um es mir zu leisten, muss ich wohl oder übel wieder ein paar Nachtschichten beim Zähneziehen einlegen!
Robin (29, Herausgeber DOWNTOWN)
Heute Hund, morgen Bierkiste und Camping-Equipment und in Zukunft vielleicht auch mal den Nachwuchs transportieren? Gute Cargo-Bikes bringen frischen Wind und noch mehr Spaß in den Alltag und ermöglichen neue Perspektiven. Ich besitze nur noch zwei Fahrzeuge in meinem Leben: ein Cargo-Bike und ein 911er-Urmodell – die beste Kombination!
Isabel (29, Robins Freundin, Wahl-Berlinerin)
Ein Cargo-Bike ohne E-Motor ist für mich kein Cargo-Bike! Warum unnötig anstrengen, wenn es auch einfach und komfortabel geht!? Schick, sicher und entspannt – diese Dreier-Kombi ist für mich der Schlüssel zum Cargo-Glück. Mein klarer Favorit: das Bergamont E-Cargoville LJ 70.
Phil (31, Redakteur und Familienvater)
Ich liebe es, sportlich zu fahren – auch wenn das eBullitt brutal hart ist, so liebe ich es als Roadie, auf einem direkten und steifen Bike zu sitzen. Bordsteine herunterfahren oder Kids transportieren? Das sollte man sich damit zweimal überlegen. For Experts only!
Benedict (30, Destillateur, 115 kg Lebendgewicht)
Mit meiner stabilen Bauweise bin ich vermutlich die größte Last für das Lastenrad, haha! Deshalb ist es mir erst mal wichtig, dass das Cargo-Bike mein Gewicht trägt. Darüber hinaus will ich es nutzen, um durch die City zu cruisen und Spaß zu haben. Praktikabilität und Variabilität sind dabei essenziell, falls ich spontan etwas mitnehmen oder das Bike mit Bier und Boombox beladen möchte – die Grundausstattung für einen gelungenen Männertag!
Manne (61, Hundeliebhaber und Mann für alles)
Ohne meinen Hund fahre ich nirgends hin. Ein Cargo-Bike ist im Alltag natürlich super, aber mir reicht ein Anhänger an meinem E-Mountainbike mehr als genug! Im Anhänger findet nicht nur unser Labradoodle Henry Platz, da passen auch noch ein paar kleine Transportgüter rein!
Susanne (54, Pendlerin, Baggersee-Pilgerin)
Für Ausflüge an den Baggersee ist ein Cargo-Bike für mich ideal. Picknickdecke, Handtücher, Verpflegung und je nach Lust und Laune mal das Stand-up-Paddle – alles passt problemlos rein. Das Beste daran: Man ist nicht darauf angewiesen, einen Parkplatz zu finden, sondern kann ganz entspannt vorfahren. Das ist wahrer Luxus! Bei so viel Gepäck und 50 km Distanz fühle ich mich mit einem Doppelakku sicherer.
Jonas (31, stv. Chefredakteur E-MOUNTAINBIKE, Outdoor-Lover)
Für mich muss ein E-Cargo-Bike auch zum Offroadpendeln geeignet sein und ein Navigationssystem besitzen. Daher gibt es für mich einen klaren Favoriten: das Riese & Müller Load 60 mit seiner Offroad-Bereifung und dem SmartphoneHub.
Felix (28, Testchef DOWNTOWN)
Call me Tech-Freak! Ich setze mich tagtäglich mit der aktuellsten E-Motoren-Technik, Fahrwerks-Kinematiken und Connectivity-Features auseinander. Begeistert hat mich der neue Bosch Cargo Line mit seiner Power, seiner Kontrolle und seinem Dynamik-Umfang. Enttäuschend fand ich, dass in vielen aktuellen Cargo-Bikes teilweise 6 Jahre alte Motoren zum Einsatz kommen.
Oliver (47, Fotograf, Rum-Lover)
Ein kurzer Espresso im Morgengrauen und ab auf die Arbeit – statt meinem Van nutze ich mittlerweile sehr häufig das Cargo-Bike. Ich brauche an meinem Rad gutes Licht fürs Pendeln am frühen Morgen oder wenn die Arbeit im Studio bis in die Nacht dauert. Für mein rund 50 kg schweres Fotoequipment brauche ich eine großzügige Ladefläche und einen starken Motor. Lokale Fotojobs kann ich so problemlos erledigen – und beim Kunden habe ich dank dem Cargo-Bike direkt ein spannendes Gesprächsthema!
Mattis (1, Testfahrer und von Beruf Sohn)
Dadada, dididididii … Ohhhhhh … Mammma!

Um eine Kaufentscheidung treffen zu können, solltet ihr euch vor allem über eure persönlichen Anforderungen und den primären Einsatzzweck eures Lastenrades klar werden. Denn es geht nicht nur um die Bauart, die Ausstattung und natürlich die Performance eines Lastenrades. Genauso wichtig ist seine individuelle Funktionalität. Aus diesem Grund haben wir unser Testfeld relativ breit gefasst und vergeben keine Punkte-Bewertungen oder Schulnoten, wie es viele andere Magazine zu tun pflegen. Stattdessen arbeiten wir in unseren Testberichten die individuellen Stärken und Schwächen der jeweiligen Bikes klar heraus und zeigen auf, für welche Einsatzzwecke ein Modell gut funktioniert und für welche nicht. Außerdem sagen wir euch, worauf ihr beim Kauf achten müsst und geben Tuning-Tipps für jedes Modell.

4. Worauf kommt es bei einem Cargo-Bike an? Auf diese 10 Dinge solltet ihr achten!

E-Lastenräder werden auf unterschiedlichste Art und Weise eingesetzt und müssen dementsprechend individuelle Anforderungen erfüllen. Nichtsdestotrotz gibt es einige sehr wichtige übergeordnete Eigenschaften, Funktionen und Komponenten, auf die ihr unbedingt achten solltet. Wir verraten euch die 10 wichtigsten Punkte!

1. Lasst euch nicht blenden! Darauf kommt es bei einem Cargo-Bike NICHT an

Design only: Natürlich spielen auch bei Lastenrädern oft – wie beim Auto – das Markenimage, die Optik und die damit einhergehenden Emotionen eine große Rolle, aber für langanhaltende Freude sollte euer Mobil weder drücken noch zwicken, und es darf auch nicht umständlich oder unnötig anstrengend sein. Es gibt Modelle, die mit tollem Design begeistern, aber in Sachen Fahrleistung enttäuschen. Ein Lastenrad kauft man nicht, um es in die Garage oder ins Wohnzimmer zu stellen, sondern um es zu nutzen und Spaß zu haben! Wobei wir zugeben müssen, dass wir schon von Leuten gehört haben, die sich ihr Cargo-Bike als Deko in die Bude gestellt haben – weil geil!

Wow, hast du dieses E-Cargo-Bike für 3.000 € gesehen? Achtung: Wer billig kauft, der kauft zweimal – dieser Spruch gilt auch für Cargo-Bikes. Eine stabile und im Fahrbetrieb funktionierende Konstruktion, robuste und zuverlässige Komponenten und vor allem ein kraftvoller Mittelmotor kosten einfach Geld. Natürlich kann man sich Mogelpackungen ins Haus holen, aber dann muss man mit häufig wiederkehrenden Problemchen und deutlich weniger Fahrsicherheit, Komfort und Spaß rechnen – ob es das wert ist? Für ein gutes E-Lastenrad sollte man mindestens 5.500 € einkalkulieren. Die gute Nachricht: Staatliche Förderungen sorgen häufig dafür, dass auch Bikes, die eigentlich außerhalb eures Budgets liegen würden, auf einmal erreichbar sind.

Nichts für Weight-Weenies! Abgesehen von DOWNTOWN-Chefredakteur Ben und Testfahrer Benedict kennen wir niemanden, der mit dem Lastenrad einen Wheelie macht. Cargo-Bikes sind einfach schwer! Das heißt auch: Die Chancen, dass ihr euer Lastenrad durchs Treppenhaus tragen könnt, sind extrem gering. Wir hatten im Test nur ein Bike, das man in den Keller schaffen kann. Doch so oder so ist bei einem E-Cargo-Bike nicht das Gewicht entscheidend, sondern vielmehr die Gewichtsverteilung. „Wie sicher fährt sich das Cargo-Bike mit Beladung?“ ist daher eine viel wichtigere Frage als „Wie leicht ist das Cargo-Bike?“. Auch die Bauform ist entscheidender als das bloße Gewicht, weil Radstand, Schwerpunkt und Konstruktionsart viel stärker bestimmen, wie sich das Lastenrad manövrieren, rangieren und abstellen lässt.

2. Fahrsicherheit bei Cargo-Bikes

Die Fahrsicherheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften bei Cargo-Bikes. Dazu gehören:

  • ein berechenbares und intuitives Handling mit und ohne Last,
  • griffige Reifen bei Nässe und trockenen Bedingungen auf Asphalt sowie losen Untergründen wie Schotter,
  • standfeste und gut dosierbare Bremsen. Sie braucht man in fast jeder Fahrsituation, vor allem wenn man in hügeligem Gelände unterwegs ist, schwerere Lasten transportiert oder im dichten Stadtverkehr optimale Verzögerungswerte erreichen will. Wir empfehlen auf jeden Fall Vierkolben-Scheibenbremsen, je nach Topografie mit mindestens 180 mm oder 200 mm großen Scheiben.
  • Sicht und Sichtbarkeit im Straßenverkehr, d. h. starke und sinnvoll positionierte Front- und Hecklichter, die auch bei Beladung nicht verdeckt werden. Modelle mit Fern- und Abblendlicht sind top!
  • ein vollgefedertes Fahrwerk oder zumindest eine Federgabel, die sensible Güter oder natürlich auch Kids vor Erschütterungen schützt und mehr Kontrolle bei schlechten Untergründen oder gar dem Kontakt mit einem Bordstein bietet. Aktuell bieten das die wenigsten Cargo-Bikes.
  • eine justierbare Lenkerdämpfung. Je nach Bauart ist sie nicht notwendig, aber prinzipiell kann eine Lenkerdämpfung unerwünschtes Lenkerflattern bzw. eine nervöse Lenkung effektiv verhindern – eine Technologie, wie man sie sonst an sportiven Motorrädern sieht.

Die Fahrsicherheit lässt sich nicht zwangsläufig an einzelnen Komponenten festmachen. Stattdessen ist ihr Zusammenspiel in Kombination mit der Rahmenplattform im Fahrbetrieb entscheidend. Es kommt also auf das Gesamtkonzept an.

3. Komfort und Ergonomie bei Cargo-Bikes

Ja, Ergonomie und Komfort sind nicht die coolsten Themen. Aber auch wenn man in der Blüte seines Lebens steht, sollte man sich damit ausgiebig beschäftigen. Eine ergonomische Sitzposition sorgt nicht nur für mehr Spaß, Effizienz und Unbeschwertheit beim Fahren, sondern auch für mehr Übersicht und Kontrolle.

Dazu gehört auch ein einfacher Auf- und Abstieg: Bekommen die Kids auf dem Heck einen Roundhouse-Kick, wenn ich aufsitze, oder hat das Bike einen tiefen Durchstieg, bei dem ich mein Bein kaum heben muss? Ein flacherer Sitzwinkel kann außerdem dabei helfen, die Füße an der Ampel gut runterzubekommen. Teleskopsattelstützen können den Auf- und Abstieg ebenfalls deutlich erleichtern. Mittlerweile gibt es sogar gefederte, vom Lenker aus höhenverstellbare Sattelstützen, die gut funktionieren und zusätzlichen Komfort spenden – in den Bikes des Vergleichstests war leider keine verbaut.

Je nach Fahrtyp wünscht man sich etwas anderes. Manche suchen eine sportliche Sitzposition mit direktem Handling, wie sie z. B. das eBullitt bietet, im Idealfall sogar noch kombiniert mit optimaler Kraftübertragung. Andere wollen eher das Hollandrad-Feeling zum entspannten Cruisen findet, wie es z. B. Urban Arrow im Programm hat. Ein vollgefedertes Fahrwerk wie beim Riese & Müller Load sorgt natürlich für unschlagbaren Komfort. Der deutsche Premium-Hersteller bietet zudem die GX-Option mit profilierten Offroad-Reifen an, die mit schlechterem Untergrund deutlich besser zurechtkommen. Gerade wenn man keine Federung hat, können großvolumige Reifen für mehr Komfort und Traktion sorgen.

Winkel- bzw. höhenverstellbare Cockpits sind prinzipiell sehr gut, um die Fahrposition im Handumdrehen anzupassen – vor allem wenn mehrere Personen ein und dasselbe Cargo-Bike nutzen. Allerdings ist hier Vorsicht angebracht: Höhenverstellbare Vorbauten sind häufig wackeliger, weniger steif bzw. weniger präzise als ihre fixen Pendants. Das sollte man vor dem Kauf berücksichtigen und am besten ausprobieren.

Kontaktpunkte wie die Griffe, die Pedale und besonders der Sattel sind ebenfalls ausschlaggebend für den Gesamtkomfort des Lastenrades und noch dazu am einfachsten auszutauschen. Sie unterliegen persönlichen Vorlieben und waren daher für unseren Test nicht von Relevanz.

4. Lastenrad mit oder ohne Motor?

Gründe gegen einen E-Motor am Lastenrad gibt es wenige, außer natürlich man hat Spaß am Leiden! Dass E-Bikes insgesamt häufiger und länger genutzt werden als rein muskelbetriebene Räder, ist von zahlreichen Studien belegt. Dabei ist E-Support aber nicht gleich E-Support ist. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Rädern mit E-Unterstützung: Pedelecs und S-Pedelecs. Pedelecs unterstützen die Pedalkraft des Fahrenden per Gesetz bis zur 25-km/h-Schwelle. Sie gelten rechtlich als Fahrrad, weshalb für ihre Nutzung auch die gleichen Rechte und Pflichten greifen.

Sogenannte S-Pedelecs unterstützen hingegen bis 45 km/h. Diese Bikes sind super spannend, wenn man häufiger längere Strecken zurücklegt und ernsthaft darüber nachdenkt, sein Auto durch ein Lastenrad zu ersetzen. Hier sollte man allerdings beachten, dass man mit einem S-Pedelec nicht überall fahren darf, es eine Helm- und Kennzeichenpflicht gibt und man einen Führerschein zum Bewegen eines Kleinkraftrades benötigt (der in jedem Autoführerschein Klasse B enthalten ist). Wichtig für Pedelecs und S-Pedelecs: Je nach Land können die Speed-Limits und rechtlichen Einordnungen variieren.

5. Welcher E-Motor ist der beste fürs Cargo-Bike?

Alle von uns getesteten E-Lastenräder verfügen über Mittelmotoren, die sich in Sachen Performance und Haltbarkeit bereits im harten E-Mountainbike-Einsatz behauptet haben. Das Bergamont E-Cargoville LJ 70 und das Riese & Müller Load 60 verfügen über den neuen Bosch Cargo Line-Motor 2020 mit jüngst überarbeiteter Software, die wir als erstes Magazin weltweit exklusiv testen durften und die speziell entwickelt wurde für die dynamischen Unterschiede zwischen Vollladung und Leerbetrieb sowie unterschiedliche Fahrweisen. Darüber hinaus ist der Shimano STEPS E-8000-Motor im eBullitt verbaut, der Rest setzt auf den über Jahre bewährten, aber bereits überholten Bosch Performance CX der alten Generation.

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl an anderen E-Mittelmotoren sowie Nabenmotoren an Front und Heck, die an günstigen E-Lastenrädern zum Einsatz kommen. Sie können jedoch bei längeren Anstiegen leicht überhitzen, besitzen zu wenig Drehmoment oder erfüllen nicht die aktuellen Standards in Sachen Kontrollierbarkeit und Performance. In flachen Städten mögen sie einigermaßen funktionieren, in Stuttgart oder San Francisco wären sie jedoch heillos überfordert.

Der beste Motor fürs Cargo-Bike ist sehr kraftvoll, entfaltet seine Leistung aber nur, wenn sie wirklich benötigt wird, und unterstützt über ein breites Kadenzspektrum – das ist beim Anfahren, bei der falschen Gangwahl und an steilen Anstiegen essenziell. Hier entscheidet die richtige Kombination aus Motor, optimalem Trittfrequenzbereich und Übersetzungsbandbreite der Schaltung. Vor allem im hügeligen Gelände kann es gut sein, dass der Motor sonst einfach abgewürgt wird und man im Worst Case sogar schieben muss! Zudem ist es wichtig, dass der Motor sich dynamisch auf unterschiedliche Fahrsituationen und Fahren mit und ohne Beladung einstellen kann. Deshalb verfügen alle getesteten Motoren über mehrere Unterstützungsstufen. Schließlich wünscht man sich beim Fahren eine möglichst gute und beherrschbare Fahrdynamik unabhängig von der Zuladung.

Ein progressiver Unterstützungsmodus wie z. B. der Shimano Trail-Modus oder der Bosch eMTB-Modus ermöglicht ein dynamisches Fahren, ohne ständig zwischen den einzelnen Unterstützungs-Modi des Motors hin und her zu wechseln.

Den mit Abstand besten Testeindruck hinterlässt der Bosch Cargo Line. Er basiert auf dem Bosch Performance CX-Motor, wurde jedoch an die Anforderungen und erhöhten Belastungen im Cargo-Bereich angepasst. So vervierfacht er mit einem Support-Faktor von 400 % die eigene Leistung am Pedal. Die in manchen Lastenrädern verbauten Performance CX-Motoren gehören noch der alten CX-Generation an, die lediglich bis zu 300 % Unterstützung bietet und auch in Sachen Fahrperformance, Geräuschkulisse und Fahrverhalten oberhalb der 25-km/h-Schwelle einige Nachteile hat. Seit dem kostenlos erhältlichen Software-Update im Juli 2020 bietet der Bosch Cargo Line-Motor in der Spitze bis zu 85 Nm Drehmoment, davor waren es 75 Nm. Außerdem ist er im Fahrverhalten etwas dynamischer geworden. Mit diesen Eckdaten hat er bei voller Beladung und bei steilen Anstiegen gleichermaßen die Nase vorne und zieht die Konkurrenz in Sachen Fahrleistung und Fahrdynamik ab!

Wichtige Begriffe, die man vor dem Kauf kennen sollte:

Akkukapazität
Die Akkukapazität wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Sie variiert je nach Cargo-Bike von 500 Wh bis zu über 1.000 Wh und beschreibt, bildlich dargestellt, die Größe eures Tanks. Wie viel Reichweite ihr damit tatsächlich habt, hängt aber maßgeblich vom „Verbrauch“ eures Motors, von eurer Fahrweise und rund 20 weiteren Parametern ab.

Motorleistung
Die Motorleistung wird bei E-Bikes in Watt (W) angegeben. Bei Pedelecs ist die durchschnittliche Motorleistung gesetzlich auf 250 W festgesetzt. Dennoch erreichen alle Motoren in der Spitze eine vielfach höhere Leistung, wodurch es klare Leistungsunterschiede bei gleicher Nennleistung gibt.

Drehmoment
Das Drehmoment, in Newtonmetern (Nm) gemessen, beschreibt die Drehkraft, mit der ein Motor jemanden beim Treten unterstützt. Je höher das Drehmoment, desto stärker ist die Unterstützung. Ein Motor mit viel Drehmoment zeigt seine Stärken vor allem bei niedrigen Trittfrequenzen. Das merkt man besonders beim Anfahren, bei falscher, zu schwerer Gangwahl oder steilen Anstiegen und bei Vollbeladung des Cargo-Bikes.

Übersetzungsbandbreite
Die Übersetzungsbandbreite der Schaltung wird in Prozent gemessen. Je größer die Bandbreite ist, umso größer ist der Unterschied zwischen dem kleinsten und größten Gang. Je nachdem, wo ihr am häufigsten fahren wollt, ist eine Bandbreite von über 400 % wichtig, damit ihr sowohl an steilen Rampen bergauf als auch in der Ebene mit einer Trittfrequenz unterwegs seid, bei der der Motor seine Power überhaupt entfalten kann.

De-Rating
Drohen Motor oder Akku zu überhitzen, reduziert der Motor seine Leistung als Selbstschutz. Ein solches De-Rating kann bei falscher Gangwahl, Vollbeladung und langen Anstiegen vorkommen. Eine kurze Verschnaufpause schafft Abhilfe – wer mit seinem Tesla schon einige Kickstarts hingelegt hat, kennt die Problematik!

6. Reichweite: Wie weit komme ich mit meinem E-Cargo-Bike?

Leider müssen wir euch enttäuschen: Die Frage nach der Reichweite wird im Zusammenhang mit E-Bikes zwar am häufigsten gestellt, aber es gibt auf sie keine simple Antwort. Bevor ihr mit dem Akkukapazitätswettrüsten beginnt, solltet ihr euch darüber klar werden, welches Akkukonzept für eure individuellen Anforderungen das richtige ist. Welche Distanzen und wie viele Höhenmeter legt ihr bis zum nächsten Ladevorgang zurück? Wie häufig habt ihr Lademöglichkeiten und wo befinden die sich (z. B. im Haus oder direkt am Stellplatz)? Müsst ihr also den Akku zum Laden entnehmen oder kann er im Cargo-Bike verbleiben? Dabei spielt die Ladezeit ebenfalls eine Rolle. In unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE findet ihr alle wichtigen Infos zu den unterschiedlichen Akkukonzepten, die weitestgehend auf das Lastenrad mit Elektroantrieb übertragbar sind. Einziger Unterschied: Das Mehrgewicht von 2 bis 3 kg und auch der Platzbedarf für einen Zusatzakku spielen hier eine deutlich geringere Rolle als beim E-Mountainbike. Wer es sich also leisten kann und will, der darf gerne zur Dual-Battery-Option greifen. Der Mehrpreis ab Werk beträgt je nach Hersteller zwischen 700 und 1.000 €. Aktuell bietet im Cargo-Bereich nur Bosch eine integrierte Dual-Battery-Option an, bei der beide Akkus über ein Y-Kabel verbunden sind. Bei Shimano muss man eine Zusatzbatterie mitnehmen, die man dann auswechselt.

Nun zur eingangs erwähnten Frage nach der Reichweite: Zuladung, Reifendruck, Trittfrequenz, Unterstützungsmodus, Temperatur und Streckenbeschaffenheit – weit über 20 Faktoren beeinflussen die Reichweite eures Cargo-Bikes. Deshalb kann man über sie keine pauschalen Aussagen treffen und auch ein Labortest wäre hier irreführend, weil er die Realität und die zahlreichen Faktoren nicht angemessen abbilden kann. Eine gute Orientierung bietet der Bosch-Reichweiten-Rechner, bei dem ihr überraschend viele Parameter einstellen könnt und ein Gefühl dafür bekommt, wie weit ihr mit eurem Cargo-Bike kommen würdet.

7. Die beste Schaltung fürs Cargo-Bike: Shimano, SRAM, Enviolo oder Rohloff SPEEDHUB?

Bei der Wahl der richtigen Schaltung kommt es sehr stark darauf an, wo ihr euer Lastenrad nutzt. Prinzipiell gibt es drei relevante Schaltoptionen fürs Cargo-Bike: erstens Enviolo NuVinci-Nabenschaltung in manueller oder automatischer Ausführung, zweitens die elektronische Rohloff SPEEDHUB E-14-Nabenschaltung und drittens Kettenschaltungen von Shimano oder SRAM. Alle drei Konzepte unterscheiden sich deutlich in Sachen Funktion, Übersetzungsbandbreite, Preis und Haltbarkeit.

Schaltung Typ* Ganganzahl Übersetzungsbandbreite** max. Dauerdrehmoment
Enviolo Cargo 38 N stufenlos 380 % 80 Nm
Enviolo N380 H-Sync (Automatik) N stufenlos 380 % 100 Nm
Rohloff SPEEDHUB E-14 N 14 526 % 130 Nm
Shimano XT-Schaltung 1×11, 11–46Z K 11 418 % k.A.
Shimano XT-Schaltung 1×12, 10–51Z K 12 510 % k.A.
SRAM GX Eagle 1×12, 10–52Z K 12 520 % 120 Nm

* N = Nabenschaltung, K = Kettenschaltung
** Unterschied zwischen leichtestem und schwerstem Gang in Prozent

Wie viel Gänge brauche ich? Übersetzungsbandbreite statt Ganganzahl

Generell gilt: Es kommt nicht auf die Anzahl der Gänge an, sondern auf die Übersetzungsbandbreite, sprich auf den Unterschied zwischen dem leichtesten und dem schwersten Gang in Prozent. Äußerst wichtig ist zudem das Zusammenspiel von Motor, Kettenblatt und Schaltung, da der Motor einen bestimmten Trittfrequenzbereich für eine optimale Leistungsentfaltung benötigt. Für schwere Lasten und steile Anstiege bedarf es also eines entsprechend leichten Ganges – den gibt es aber bei den meisten Cargo-Bikes nicht, weil Schaltungen wie die Enviolo Cargo 380 ihn mit einer Übersetzungsbandbreite von 380 % nicht zur Verfügung stellen. Während man mit einer solch geringen Übersetzungsbandbreite in hügeligen Städten wie Stuttgart oder San Francisco schnell ans Limit kommt, fährt man damit in weitestgehend flachen Städten wie Berlin oder München absolut problemlos.

Generell sind viele Cargo-Bikes im Test zu „schwer“ übersetzt und lassen sich bergab noch bis über 40 km/h pedalieren, während sie bei steilen Rampen schlapp machen. Deshalb ist unser Tuning-Tipp bei einigen Bikes, ein kleineres Kettenblatt an der Front zu montieren. Damit bleibt die Übersetzungsbandbreite identisch, doch die Übersetzung selbst verschiebt sich, wodurch ihr „leichtere“ Gänge hinzugewinnt und die „schwersten“ Gänge verliert. Somit pedaliert ihr zwar nicht mehr über 40 km/h, klettert dafür aber umso angenehmer auch steilste Rampen. Besonders bei E-Cargo-Bikes, die ohnehin nur bis 25 km/h unterstützen, ist das sinnvoll, denn bergab lassen wir es eh am liebsten einfach rollen.

Nabenschaltung oder klassische Kettenschaltung?

Nabenschaltungen wie die Enviolo Cargo 380 oder die Rohloff SPEEDHUB E-14 verfügen über ein geschlossenes System, das theoretisch sehr wartungsarm ist. Die Kraftübertragung erfolgt nicht über eine Kette, sondern meist über einen Gates-Riemenantrieb, der für den urbanen Einsatz prädestiniert ist und weder das Hosenbein beschmutzt noch regelmäßig geölt werden muss. Das macht ihn ebenfalls sehr wartungsarm. Der große Vorteil von Nabenschaltungen ist, dass man auch im Stand schalten kann, also z. B. an einer roten Ampel. Dadurch muss man nicht so vorausschauend fahren wie bei einer Kettenschaltung, die sich eben nicht im Stand schalten lässt. In der Familie der Nabenschaltungen gibt es auch Modelle, die das Schalten einfach selbst übernehmen: Wie eine Automatikschaltung im Auto passt z. B: die am Butchers & Bicycles Mk1E verbaute Enviolo N380 H-Sync-Schaltung die Gänge automatisch an die Fahrsituation und die gewünschte Trittfrequenz an. Für sportliche Menschen ist das weniger geeignet, aber Neulinge und Fans von Gemütlichkeit werden an der Automatik ihre Freude haben!

In der Praxis hatten wir bei Nabenschaltungen einige Probleme bis hin zu Totalausfällen, die meist bauartbedingt auftraten. Nabenschaltungen mit großer Bandbreite sind eine echte ingenieurtechnische Herausforderung. Denn die Kräfte, die die Zahnräder des Planetengetriebe im Inneren aufnehmen müssen, sind teilweise sehr hoch, was theoretisch erst mal für eine stabile, massive Konstruktion sprechen würde. Allerdings muss die Nabe möglichst schmal und kompakt sein, damit sie ins Hinterrad passt. Ein ziemlicher Balanceakt! Ein nicht zu verachtender Nachteil von Nabenschaltungen ist zudem, dass Reparaturen bei ihnen meist eher komplex ausfallen und in der Regel länger dauern als bei Kettenschaltungen.

Da man eine Kettenschaltung nicht im Stand bedienen kann, braucht man für sie eine vorausschauende Fahrweise. Hochwertige Kettenschaltungen wie eine Shimano XT sind circa 300 € günstiger als eine Enviolo-Nabe oder gar 1.500 € günstiger als eine Rohloff SPEEDHUB E-14. Deshalb ist es auch akzeptabel, dass man Kettenschaltungen regelmäßig warten muss. Je nach Fahrweise dürfte nach spätestens 1.500 km die erste verschleißbedingte Wartung ansteht. Ersatzteile sind im Fachhandel stets verfügbar und eine Reparatur ist am schnellsten, einfachsten und günstigsten möglich.

Aber was ist jetzt die eine richtige Schaltung? Das lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern ist vielmehr eine Frage des Einsatzgebietes und des preislichen Budgets. Im Folgenden geben wir euch ein paar Tipps zur Entscheidungshilfe.

Enviolo Cargo 380 und Enviolo N380 H-Sync-Nabenschaltungen

Die stufenlos verstellbare Enviolo Cargo 380 ist mit ihrem piktografischen Display super selbsterklärend und einfach zu bedienen. Das Schalten geht weitestgehend geräuschlos vonstatten und macht auch im Stand keinerlei Probleme. Ihr großer Nachteil ist die Übersetzungsbandbreite von lediglich 380 %, die zwar im Flachland problemlos funktioniert, in bergigem Terrain jedoch schnell zum Problem werden kann. Die Enviolo Cargo 380 ist für eine Dauerbelastung von maximal 80 Nm ausgelegt – unseren Testerfahrungen nach ist das eindeutig zu wenig. Denn während unseres Tests auf Stuttgarts fordernden Anstiegen kam es zu technischen Totalausfällen. Wichtig: Im Flachland dürfte die Enviolo Cargo 380 problemlos funktionieren, auch wenn sie eine recht hohe interne Reibung hat und der Wirkungsgrad deutlich schlechter ist als beispielsweise bei einer Shimano XT-Kettenschaltung. Dabei kostet sie ca. 300 € mehr als eine Shimano XT.

Die Enviolo N380 H-Sync ist eine elektronisch gesteuerte Automatiknabenschaltung mit identischer Übersetzungsbandbreite und Getriebefunktion. Ihre Besonderheit: Die Schaltung ist in die Steuereinheit des Bosch-E-Bike-Antriebs integriert, es gibt keinen Schaltgriff mehr und händisches Schalten ist nicht mehr notwendig. Abhängig von der Trittfrequenz wird „der Gang“ stufenlos und automatisch angepasst. Über die Bosch-Steuerungseinheit lässt sich die gewünschte Trittfrequenz exakt einstellen. Gerade Neulinge und Leute, die gemütlicher unterwegs sind, vergessen häufig zu schalten und sind dann in einem Gang unterwegs, der für den Motor ungünstig ist. Die Automatikschaltung hilft, diesen Fauxpas zu vermeiden. Für alle Performance-Orientierten ist die Funktionsweise der Enviolo N380 H-Sync jedoch wenig empfehlenswert, da man das E-Cargo-Bike mit ihr deutlich weniger dynamisch fahren kann: Durch die Trittfrequenz-Festlegung fehlt ihnen gerade beim Anfahren der Gegendruck des Pedals, weil der Gang zu leicht ist. Oder der Gang ist bei Anstiegen zu schwer. Auch hier gilt: Mit einer abwechslungsreichen Topografie oder einem größeren Fahrdynamikumfang kommt die Enviolo N380 H-Sync nicht zurecht. Mit Flachland und entspannter Fahrweise hingegen schon! Sie kostet rund 500 € mehr als die manuelle Cargo 380-Nabenschaltung.

Rohloff SPEEDHUB E-14-Nabenschaltung

Die elektronische Rohloff SPEEDHUB E-14 kam in unserem Testfeld zwar nicht vor, aber es gibt sie bei Riese & Müller im Konfigurator für das Load 60 und zahlreiche andere Bikes. Mit ihren 14 Gängen, die eine immense Übersetzungsbandbreite von 526 % bieten, und mit der maximalen Dauerbelastung von 130 Nm scheint die SPEEDHUB E-14 die ideale Lösung für Cargo-Bikes zu sein. Hinzu kommt, dass sie sich ebenfalls im Stand schalten lässt. Sie erkennt den Ampelstopp und schaltet automatisch in den definierten leichteren „Anfahrgang“. Allerdings hat das auch seinen Preis: Sie kostet ca. 1.500 € mehr als eine Shimano XT-Schaltung. Bei unserem ersten Test des R&M Load 60 sowie diverser Commuter-Bikes für das E-MOUNTAINBIKE Magazin sind uns allerdings ein paar Kritikpunkte aufgefallen: Im Vergleich zu Kettenschaltungen ist das Schalten relativ lange verzögert, die Schaltvorgänge sind recht laut, das haptische Feedback des Triggers ist verbesserungswürdig und die Dauerhaltbarkeit könnte zum Problem werden.

Shimano XT und Co – Kettenschaltungen am Cargo-Bike

Leute mit sportlichem Fahrstil und vorausschauender Fahrweise werden mit einer Kettenschaltung bestens zurechtkommen. Die Übersetzungsbandbreiten sind je nach Modell mehr als ausreichend, kommen aber nicht ganz an die Rohloff heran. Denn Schaltungen mit einem Umwerfer und zwei oder gar drei Kettenblättern an Front sind mit den meisten Mittelmotoren nicht kompatibel und in Sachen Funktion auch nicht empfehlenswert. Unsere Testerfahrungen haben gezeigt, dass die Kettenschaltung in hügeligen Regionen und mit Bums in den Beinen – oder im Motor – die zuverlässigste Schaltungsvariante ist. Außerdem lässt sie einen ausgesprochen dynamischen Fahrstil zu, weil die Schaltvorgänge sehr schnell vonstattengehen. Jedoch muss man aufgrund der teils sehr schrägen Kettenlinie mit gehörigem Verschleiß rechnen. Tipp: Wer nur einen Gang pro Schaltvorgang wechselt, reduziert den Verschleiß deutlich. Das Gleiche gilt, wenn man die Kette regelmäßig ölt.

8. Alltagsausstattung – das braucht ihr für euren Lastenrad-Alltag

Egal ob bei der Fahrt zum Bäcker, Baumarkt oder durch die Blechlawinen – für urbane Abenteuer im Großstadtdschungel braucht es die richtige Alltagsausstattung. Das bedeutet Schutzbleche für Regen oder Pfützen sowie eine starke Lichtanlage, die idealerweise an die Bordbatterie des Motors angeschlossen ist und eine Auf- und Abblendfunktion besitzt. Bremslichter, wie es bei S-Pedelecs Vorschrift ist, würden übrigens jedem Cargo-Bike gut stehen!

Man mag es kaum glauben, aber bei Ständern gibt es riesige Unterschiede. Ein geringer Kraftaufwand zum Aufbocken ist dabei genauso wichtig wie ein stabiler Stand beim Beladen oder beim Abstellen im Gefälle oder wenn die Kids rein und raus hüpfen. Auch wenn es um die Geräuschkulisse beim Einklappen geht, gibt es riesige Unterschiede. Klingt banal, aber niemand möchte bei jedem Start am Marktplatz im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen oder samstagmorgens die Nachbarn wecken, wenn es noch vor dem Sonnenaufgang auf den Fischmarkt geht.

Wenn ihr in der City unterwegs seid, ist die Diebstahlsicherung eures Lastenrades natürlich extrem wichtig. Der Abstellort kann helfen, Risiken zu reduzieren, dennoch solltet ihr eine mechanische Diebstahlsicherung in Form eines hochwertigen Schlosses immer auf der Ladefläche dabeihaben. Manche Hersteller haben für Fahrradschlösser sogar extra Fächer, die an der Außenseite angebracht sind. Bei ABUS habt ihr die Möglichkeit, denselben Schlüssel sowohl fürs Schloss als auch für den Akku zu verwenden: ein Schlüssel für alles. Die gute Nachricht: Ein Cargo-Bike trägt man eigentlich nicht weg, d. h. auch wenn es weiterhin empfehlenswert ist, müsst ihr das Lastenrad nicht zwangsläufig an etwas anschließen. Zusätzlich sorgen GPS-Tracker für eine ordentliche Portion Seelenfrieden.

Wer sein vollbeladenes Cargo-Bike abstellt, sollte seine wertvolle Fracht natürlich ebenfalls sichern – hier bieten einige Hersteller abschließbare Transportboxen bzw. Verdeckmöglichkeiten an.

Last but not least gehört eine gute Klingel zur Basisausstattung. Damit macht ihr auf euch aufmerksam und verhindert, dass Flaneure und Passantinnen sich erschrecken, wenn ihr euch unauffällig auf eurem Cargo-Bike anschleicht. Alle E-Lastenräder der S-Pedelec-Klasse sind serienmäßig mit einer Hupe ausgestattet. Der sympathische Klang einer Klingel stellt sich in bestimmten Situationen jedoch als weniger verschreckend heraus.

9. „Schatz, wie viel darf ich einpacken?“ Die maximale Zuladung

Genau wie ein Auto besitzt auch ein Fahrrad ein maximal zulässiges Gesamtgewicht (zGG). Es wird vom Fahrradhersteller freigegeben und stellt sicher, dass alle am Rad verbauten Komponenten den Belastungen standhalten. Dabei definiert immer das schwächste Bauteil das maximale Gesamtgewicht. Errechnet wird das zGG aus dem Gewicht des Bikes plus dem jeweiligen Körpergewicht inklusive gesamter Ausstattung (Helm, Rucksack usw.) und Gepäck/Ladung.

Die maximale Zuladung setzt sich zusammen aus dem Gewicht von Fahrer bzw. Fahrerin, der Ausstattung und der Ladung ohne das Eigengewicht vom Fahrrad. Bei einem Lastenrad kann das Eigengewicht allein bereits rund 50 kg bedeuten. Bei Cargo-Bikes gibt es zudem eine Besonderheit: die Ladefläche. Meist geben die Hersteller die Ladefläche nur bis zu einem gewissen Gewicht frei, wodurch sich die maximale Zuladung des ganzes Lastenrad noch mal aufteilt – und zwar in die Zuladung der Cargo-Area bzw. die Zuladung des Heckträgers und die Zuladung durch die Person auf dem Bike. Leider kommunizieren das nicht alle Hersteller deutlich, sondern geben einfach nur ein zGG für ihr Cargo-Bike an. Macht der Hersteller mehrere Angaben zum zGG, der max. Zuladung der Ladefläche und der max. Zuladung für den Fahrer, kann es schnell zu Verwirrungen kommen. Prinzipiell gilt: Keine der Angaben darf überschritten werden. Die niedrigste Cargo-Zuladung (exklusive Fahrer bzw. Fahrerin) bei den Longtail-Bikes in unserem Test ist 65 kg; die niedrigste Cargo-Zuladung der Long-John-Bikes im Test liegt bei 70 kg. Wer Wert darauf legt, auch mit einer Last von 100 kg durch die City zu cruisen, sollte genau hinschauen.

Bike Gewicht zulässiges Gesamtgewicht max. Zuladung (Fahrer) max. Zuladung (Ladefläche)
Bergamont E-Cargoville LJ 70 45,9 kg 220 kg 84 kg 90 kg
Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic 51,3 kg 250 kg 120 kg 80 kg
Croozer Cargo Tuure 10,6 kg 60 kg 45 kg
Larry vs Harry STePS eBullitt E8000 XT Di2 36,6 kg 217 kg 180 kg k.A.
Muli-Cycles Muli Muskel 27,4 kg 197 kg 100 kg 70 kg
Riese & Müller Load 60 Touring GX 45,5 kg 200 kg 115 kg 100 kg
Riese & Müller Multicharger GT Vario 38,2 kg 175 kg 136 kg 65 kg
Tern GSD S00
(Zum Test)
42,8 kg 200 kg 120 kg k.A.
Urban Arrow Family Performance CX Disc Zee 500 Wh
(Zum Test)
52,0 kg 275 kg 125 kg k.A.

10. Das beste Display fürs E-Cargo-Bike – Minimalismus oder Kommandozentrale mit Navigation und Sicherheitsfeatures

Du möchtest mit deinem Cargo-Bike durch die City oder über Land navigieren, Musik hören, eine Notruf-Funktion und Sturzerkennung als Sicherheitsfeature besitzen und stets die wichtigsten Fahrdaten im Blick haben? Dann gibt es nichts Besseres als dein Smartphone! Bosch bietet mit der COBI.Bike-App für die Bosch SmartphoneHub die aktuell beste integrierte Lösung an, die übrigens auch für rund 230 € nachrüstbar ist. Gleichzeitig kann man über den SmartphoneHub das Smartphone am Bordakku laden. Die Shimano-Displays und das Bosch Kiox-, Bosch Intuvia- oder Bosch Purion-Display zeigen die wichtigsten Fahrdaten an, aber auch nicht mehr. Hier kann man sich überlegen, als günstige Lösung eine Smartphone-Halterung zu montieren, Ladestrom kann man an den meisten E-Bike-Displays über ein USB-Kabel anzapfen. Für die Routenplanung und Navigation empfehlen wir die Komoot-App. Shimano bietet die cleanste Display-Integration, zeigt allerdings auch nur die wichtigsten Fahrdaten an. Navigieren muss man hier über ein separates GPS-Gerät oder ebenfalls übers Smartphone.

5: Welches Cargo-Bike ist das richtige für mich?

Fahrradkauf ist eine persönliche Sache. Ihr könnt nur dann das perfekte Cargo-Bike für euch finden, wenn ihr euch darüber klar werdet, wo und wie ihr es am häufigsten einsetzen wollt und was euch an einem Lastenrad besonders wichtig ist. In diesem Kapitel geben wir euch einen Überblick über den jeweiligen Charakter und den optimalen Einsatzzweck der von uns getesteten Lastenräder sowie Tipps, wie ihr für euch das richtige Bike findet!

Bau dein eigenes Cargo-Bike!

Die meisten Hersteller haben einen Konfigurator und bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Individualisierung und für die Ausstattung an! Das reicht von der Wahl der Rahmenfarbe über die Schaltung (sehr wichtig!), Aufbauten für die Ladefläche, zusätzliche Gepäckträger, Kids-Equipment, Transportboxen, Wetterschutz und Lichtanlage bis hin zu GPS-Trackern, Display- und Akku-Optionen. Urban Arrow bietet sogar unterschiedliche Motoren zur Auswahl an. Wir haben das Urban Arrow Family mit dem alten Bosch Performance CX-Motor getestet, würden jedoch die 400 € teurere Variante mit Bosch Cargo Line-Motor empfehlen. Rad-Freaks werden mit den endlosen Konfigurationsmöglichkeiten beim eBullitt ins Träumen kommen. Tern, Riese & Müller und Butchers & Bicycles bieten ebenfalls zahlreiche Optionen ab Werk an.

Kurz gesagt: Gebt euch nicht mit dem verstaubten Bike im Laden zufrieden, sondern nutzt die Individualisierungsoptionen der Hersteller – und achtet dabei auf die 10 wichtigen Tipps in Kapitel 4! Wer bereits ein E-Bike oder E-Mountainbike mit Anhängerfreigabe besitzt, kann sich auch selbst ein Cargo-Bike „bauen“, indem er oder sie einfach größere Lasten mit einem Anhänger zieht. Das sorgt zwar nicht für das gleiche Feeling, ist aber eine kostengünstige Option, die viel Flexibilität erlaubt.

Modularität, Variabilität = Flexibilität beim Cargo-Bike

Unter den Cargo-Bikes finden sich Spezialisten und Generalisten. Gerade wenn mehrere Personen sich dasselbe Lastenrad ohne Probleme teilen wollen oder ihr eure Kids in die Kita bringen und danach Zement im Baumarkt holen wollt, ist es wichtig, dass euer Lastenrad ein Verwandlungskünstler ist. Dank einfachen und schnellen Umbaumöglichkeiten ohne Werkzeug ist das bei einigen Bikes problemlos möglich, z. B. durch eine modulare Ladefläche oder die Option, die Höhe des Vorbaus mit einem Schnellspanner zu verstellen.

Im Folgenden geben wir euch einige konkrete Beispiele, worauf es bei einem Cargo-Bike für einen bestimmten Einsatzzweck ankommen kann:

Einkauf
Alles entscheidend ist die clevere Fachaufteilung des Stauraums, andernfalls fliegen euch Ravioli, Rucola, Parmesan und Bio-Eier um die Ohren und ihr habt den Salat, bevor ihr überhaupt angefangen habt zu kochen. Ein abschließbares Verdeck ist empfehlenswert, wenn ihr zwischen mehreren Läden pendelt und das Bike halb oder voll beladen draußen abstellt.

Pendeln ins Office
Am besten hat man eine Lichtanlage für frühe oder lange Tage im Office, Stauraum für Laptop und Co, Schutzbleche und auch ein abschließbares Verdeck ist empfehlenswert. Ihr wollt das Cargo-Bike in Verbindung mit anderen Verkehrsmitteln nutzen, indem ihr es z. B. ein Stück in der Bahn mitnehmt? Dann bietet sich ein leichtes und kompaktes Modell an wie das Muli, das Tern oder das R&M Multicharger Vario. Auch dort bekommt ihr Rollkoffer und Business-Anzugtasche unter!

Sperrgepäck
Wer Großes vorhat, der sollte ein Long-John mit tiefer Ladefläche wählen. Ihr werdet überrascht sein, wie viel sich transportieren lässt! Long-John-Cargo-Bikes sind besonders praktisch, wenn ihr euch neue Einrichtungsgegenstände zulegt – im Porsche 911 oder im Volvo V70 wird’s eng, im Cargo-Bike nicht. Unsere klaren Favoriten sind für diese Fälle das Bergamont und eBullitt mit ihrer tiefen und flachen Ladefläche.

Familie – Kids & Hunde
Je nachdem, wie alt eure Familienmitglieder sind und wie gut sie stillhalten können, sind unterschiedliche Cargo-Konzepte für euch besser. Wer Kids am Heck transportieren möchte, sollte wissen, dass der Nachwuchs mind. 2 Jahre alt sein und sich festhalten können sollte. Nach oben gibt es keine Grenzen: Je nach Gewichtsfreigabe des Heckträgers könnt ihr logischerweise auch Erwachsene mitnehmen, dann jedoch nicht mehr mit den Kids-Sitzen inkl. Halterung. Der Kindertransport in der Front hat den Vorteil, dass ihr eure wertvolle Ladung stets im Blick habt. Dabei ist ein sicheres, gut einstellbares Gurtsystem genauso wichtig wie Komfort – idealerweise in Form einer Vollfederung wie beim Riese & Müller Load 60. Das krasse Gegenteil ist das eBullitt mit seinem super steifen Rahmen: Den Nachwuchs kann man mit dem Kids-Aufbau zwar problemlos mitnehmen, ob man das den feinen Hintern und Gelenken jedoch antun will, ist eine andere Frage. Beim Butchers & Bicycles-Dreirad haben wir aufgrund der schlechten Lastverteilung einige riskante Bremsmanöver hingelegt. Schade, denn die tiefe Transportbox, die optional mit einer Tür für einen leichteren Einstieg erhältlich ist, war für unsere Tester-Hunde Leo und Henry dahingehend gut, dass sie nicht mal auf die Idee kamen, das Schiff in einer brenzligen Situation frühzeitig zu verlassen und über Bord zu springen. Ein zusätzliches, idealerweise abschließbares Staufach ist ideal – egal ob Hund oder Kids, irgendwo braucht man ja auch noch Platz für sein eigenes Zeug! Es gibt übrigens auch spezielle Transportboxen und Anhänger für Hunde wie den Croozer Jokke.

Auf Abwegen – gar nicht so abwegig!
Wer hin und wieder Ausflüge ins Grüne unternehmen möchte und sich auf Schotterstraßen oder unbefestigte Wege begibt, um zur Grillstelle, ins Jagdrevier, zum Picknick-Spot oder zum Brennholzhacken zu fahren, der kommt an einem Bike nicht vorbei: Das vollgefederte Riese & Müller Load 60 ist in der GX-Ausführung nicht nur perfekt für urbane Abenteuer, sondern bietet auch einzigartige Skills abseits der ausgetrampelten Pfade. Mit diesem Bike entdeckst du deine Umgebung und vielleicht auch ein bisschen die Welt neu – so wie DOWNTOWN-Herausgeber Robin, als es Zeit für eine Scheidung von seinem Jeep Cherokee war!

Da man häufig nicht nur einen Einsatzzweck für sein Cargo-Bike hat, sollte man Prioritäten abwägen, das verfügbare Zubehör checken und – sofern notwendig – darauf achten, dass der Umbau von modularen Ladeflächen einfach und schnell vonstattengeht.

Welche Rahmengröße brauche ich für mein Cargo-Bike?

Keine! Denn kurioserweise gibt es alle von uns getesteten Cargo-Bikes in nur einer Rahmengröße – je nach Modell mit mehr oder weniger Anpassungsmöglichkeiten. Generell ist es wichtig, die vom Hersteller empfohlene Mindest- und Maximalgröße zu erfragen. Außerdem sollten hochwertige Komponenten verbaut sein, die entweder einstellbar sind, also z. B. ein im Winkel und der Höhe verstellbarer Vorbau, oder die im Bikeshop richtig angepasst werden können.

Money for the honey: Clever kaufen mit Cargo-Bike-Förderungen

Keine Frage: E-Lastenräder sind für die meisten von uns eine echte Investition. Wer ein paar wichtige Dinge beim Kauf beachtet, kann mit der richtigen Finanzierung und Cargo-Bike-Förderprogrammen einige Tausend Euro sparen. In einem separaten Artikel geben wir euch dazu alle Infos.

6. Was ist das beste E-Cargo-Bike 2020? Tops und Flops, Testsieger, Kauftipp und Verlierer

Sensation! Auch wenn Biologen aus aller Welt behaupten, dass die eierlegende Wollmilchsau nicht existiert, so müssen wir widersprechen: Es gibt sie. Zumindest in der Cargo-Welt. Doch alles der Reihe nach.

Auch wenn die Anforderungen an Lastenräder höchst individuell und vielfältig sind, gibt es klare Sieger und Verlierer in unserem breit gefächerten Vergleichstest. Oft sind es die kleinen Details wie clever gewählte Komponenten, eine gelungene Integration, pragmatische Lösungen und eine erstklassige Verarbeitung, die den großen Unterschied machen. Manchmal sind es jedoch auch fundamentale Features und Eigenschaften wie die Konstruktion, innovative Connectivity-Technologien und die Lastverteilung. Hier findet ihr alle Tops und Flops aus unserem großen Lastenrad-Vergleichstest.

Tops

Konnektivität für Profis
Der Bosch SmartphoneHub wird in Kombination mit eurem Smartphone und der passenden App zur intelligenten Steuerzentrale für Navigation, Musik und Fitnessdaten.
Like a Bosch
Der Bosch Cargo Line Cruise ist der kraftvollste Motor im Test und lässt sich gleichzeitig am besten dosieren.
Klapp und weg
Die Ladefläche des Muli ist innerhalb von zwei Sekunden ein- und wieder ausgeklappt und ist im eingeklappten Zustand super schmal.
Es werde Licht
Die Riese & Müller und das eBullitt-Lastenrad glänzen mit Fern- und Abblendlicht. Auch die finsterste Nacht verliert damit ihren Schrecken.
Mehr als GPS-Tracking
Das optional erhältliche RX Connect-Sicherheitskonzept von Riese & Müller bietet Tracking im Falle eines Diebstahls, digitale Serviceangebote sowie eine Versicherung und die Wiederbeschaffung des Fahrzeugs.
Trail-Tauglichkeit? Check!
Wer fährt nicht gerne mal zum Grillen oder Picknicken ins Grüne oder möchte gar über Schotterstraßen die Abkürzung durch den Wald nehmen? Durch Offroad-Bereifung wie am R&M Load 60 ist das alles kein Problem!
Geheimfach
Ob als Möglichkeit zum Tieferlegen der Füße oder als zusätzlicher Stauraum für Snacks, Werkzeug oder ein Schloss – die kleine Box im R&M Load 60 oder im Butchers & Bicycles ist super praktisch!
Alles im Griff
Der Griff am Sattel macht es einfacher, das Bike im Stand zu manövrieren. Das könnte man an jedem Long-John-Lastenfahrrad gebrauchen!

Flopps

Geizig
Die Enviolo Cargo-Schaltung ist mit einer Übersetzung von 380 % etwas geizig und nicht für steile Anstiege gemacht. Im Test hatten wir in Sachen Haltbarkeit einige Probleme und sogar Totalausfälle!
Steifer geht nimmer
Die Rahmenkonstruktion des eBullitt ist extrem steif und dadurch für den Kindertransport zu unkomfortabel.
Zu wenig Biss
Voll beladen kommen die Zweikolbenbremsen an den R&M-Lastenrädern schnell an ihre Grenzen und fallen hinter anderen Bikes zurück.
Nur für dicke Waden
Viele Lastenräder im Test haben für steile Anstiege zu große Kettenblätter montiert, wie z. B. das Muli mit der riesigen 50-Zähne-Pizza.
Weich wie Wackelpudding
Die Neigungstechnik am Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic ist in Kombination mit der Lastverteilung und den Hebelverhältnissen mehr als gewöhnungsbedürftig und sorgt für ein nervöses Handling und einige riskante Momente. Wer hat sich das ausgedacht?
Einladung für Langfinger
Der zweite Akku am eBullitt ist nicht an- und damit auch nicht abgeschlossen und kann einfach aus der Tasche entwendet werden.

Die Gewinner unseres Cargobike-Vergleichstests
Riese & Müller Load 60 Touring GX

Das beste Gesamtpaket aus Fahrsicherheit, Komfort, Alltagsausstattung, Variabilität, Connectivity, Motor-Performance und Akku-Konzept besitzt das Riese & Müller Load 60 Touring GX (hier geht’s zum Test), das in einer eigenen Liga spielt: Mit dem 7.858 € teuren Load 60 Touring GX hat der hessische Hersteller Riese & Müller die ultimative Allzweckwaffe für den urbanen Alltag, den Kindertransport und Ausflüge ins Grüne geschaffen! Dank vollgefedertem Fahrwerk, optionalem GPS-Tracking, GX-Offroad-Bereifung und intuitivem Handling bietet das E-Cargo-Bike ein Maximum an Sicherheit und Komfort sowie das breiteste Einsatzspektrum im Vergleichstest. Es ist das einzige wirklich Offroad-kompatible Bike und damit perfekt für Grill- und Lagerfeuerabende in der Natur. Auch der bärenstarke Bosch Cargo Line-Motor und der Bosch SmartphoneHub sind Benchmarks in ihrem Fach. Für ein einstimmiges Resultat sorgte letztlich das schlüssige Gesamtkonzept in Kombination mit den innovativen Features, der hohen Variabilität und den zahlreichen Ausstattungsoptionen: verdienter Testsieg! Wer die Existenz der eierlegenden Wollmilchsau bislang infrage gestellt hat – hier ist der Beweis!

Bergamont E-Cargoville LJ 70

Mit seinem super intuitiven Handling, dem grundsoliden Aufbau und viel Style sichert sich das Bergamont E-Cargoville LJ 70 (hier geht’s zum Test) für 5.399 € unseren Kauftipp. Der breite und kraftvolle Unterstützungsbereich des Bosch Cargo Line-Motors passt zum dynamischen und berechenbaren Fahrverhalten des Bikes aus St. Pauli. Für Bergregionen ist das Bergamont aufgrund der limitierten Übersetzungsbandbreite der Enviolo-Nabenschaltung leider nur eingeschränkt geeignet. Im Flachland-Kiez ist es hingegen bestens aufgehoben!

Larry vs Harry STePS eBullitt

Wie gemacht für sportliche und erfahrene Bikerinnen und Biker ist das hochwertige Larry vs Harry STePS eBullitt (hier geht’s zum Test) mit Shimano STEPS E8000-Motor, einem direkten, präzisen Handling und einer steifen Konstruktion. Für komfortablen Kindertransport ist das Lastenrad leider zu steif. Auch ob man Bordsteine herunterfahren will, sollte man sich besser gut überlegen. Toll: Das eBullitt lässt sich sehr individuell aufbauen und ist mit einer großen Auswahl an Zubehör erhältlich.

Muli Muskel-Cargo-Bike

Ihr habt keine Lust auf Motor und Elektronik, dafür aber genug Power in den Beinen? Dann ist das Muli Muskel-Cargo-Bike (hier geht’s zum Test) für faire 3.045 € mit seinem stimmigen minimalistischen Gesamtkonzept die perfekte Wahl für euch! Der quirlige Flitzer kann mit großem Fahrspaß vor allem im Flachland alle sportlich-erfahrenen Pilotinnen und Piloten überzeugen und lässt sich mit eingeklapptem Korb sogar in den Keller tragen.

Neutral – und alles andere als eine schlechte Wahl!

Im Riese & Müller Multicharger stecken gleich zwei Bikes: ein Touren-Bike mit guter Laufruhe und ein variables Lastenrad mit zahlreichen Aufbauoptionen! Das Multicharger überzeugt auf Familienausflügen und Touren im leichten Gelände und kommt gleichzeitig mit euren Einkäufen genauso gut zurecht wie mit Kids auf der Rückbank. In Sachen Fahrspaß, Zuladung und Emotionalität muss das Bakery-Bike allerdings hinter den Long-Johns zurückstecken. Kritik erntet das Multicharger für die Qualität der Gepäckträgeraufbauten.

Das Tern GSD S00-E-Cargo-Bike ist der perfekte Packesel für kleine und schwere Lasten oder die Fahrt mit größeren Kids in den Kindergarten. Im Gegensatz zum R&M Multicharger ist es jedoch für Touren und Wochenendausflüge in leichtem Gelände nicht geeignet. Gleiches gilt für steile Anstiege. Dank der geringen Maße und der Möglichkeit, es vertikal aufzustellen, kann es im engen urbanen Dschungel und bei Platzmangel glänzen – das sehr agile Handling tut sein Übriges für Spaß in der Stadt!

Quadratisch, praktisch, gut: Fahrradanhänger machen ihren mangelnden Sexappeal mit einem hohem Nutzfaktor wett. Dadurch werden sie zur ernsthaften Cargo-Option – denn mit ihnen könnt ihr euer bestehendes Bike kostengünstig umwandeln, sofern es eine Anhängerfreigabe hat. Einkaufen auf dem Markt, Hund Henry mitschleppen? Die Modelle Croozer Jokke und Croozer Cargo Tuure mit Federung und Bollerwagen-Zubehör haben uns auf alle Fälle rational überzeugt!

Der Verlierer – sexy und kompliziert!

Das Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic lässt die Testcrew mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Einerseits überzeugt es mit schickem skandinavischem Stil und einer riesigen Transportbox. Andererseits braucht dieses E-Cargo-Bike eine vergleichsweise lange Eingewöhnungszeit, erfordert selbst dann in einigen Situationen vollen Körpereinsatz und kann sogar zum Sicherheitsrisiko werden. Es ist weder für Neulinge noch für Menschen mit sportlichem Fahrstil gemacht und für einen Preis von 7.626 € bekommt man zwar viel Technik, aber keine Performance. Schade!

Glückwunsch – wenn ihr die vorangegangenen 25 Textseiten gelesen und verarbeitet habt, dann habt ihr fast schon die ultimative Cargo-Bike-Expertise. Wir hoffen, dass euch die zahlreichen Informationen geholfen haben, ein umfassendes Bild zu erlangen. Ihr seht: Wir geben uns nicht mit einfachen Antworten zufrieden, sondern versuchen, die komplexe Realität so verständlich wie möglich zu vermitteln.


Alle Bikes in diesem Vergleichstest

Bergamont E-Cargoville LJ 70 (Zum Test) | Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic (Zum Test) | Larry vs Harry STePS eBullitt E8000 XT Di2 (Zum Test) | Muli-Cycles Muli Muskel (Zum Test) | Riese & Müller Load 60 Touring GX (Zum Test) | Riese & Müller Multicharger GT Vario (Zum Test) | Tern GSD S00 (Zum Test) | Urban Arrow Family Performance CX Disc Zee 500 Wh (Zum Test) | Croozer Cargo Tuure (Zum Test)

Words: Robin Schmitt, Philipp Schwab, Jonas Müssig, Benjamin Topf, Felix Stix Photos: Benjamin Topf, Robin Schmitt, Valentin Rühl, Marius Burghard (Illustrationen)