Vorurteile hat jeder – erst recht gegen Blondinen und Tiefeinsteiger. Zusammen mit Paulina (blond) und dem HNF-NICOLAI UD3 (Tiefeinsteiger) sind wir losgezogen und haben ordentlich aufgeräumt. Eine Story über Benzin im Blut, E-Bikes, Craftsmanship, Kids statt Karriere und warum man im Leben eigentlich keine Wahl hat.

Warnung an alle männlichen Leser: Nach dieser Geschichte kann es gut passieren, dass du denkst: „Verdammt, so eine coole Freundin will ich auch mal haben!“

Blond und 21 Jahre jung. Paulina Sauter steht nicht nur auf Motorräder, sie fährt auch Motorradrennen. Und zwar auf einer Aprilia RS 250, Baujahr 1998 – wie sie selbst. Nicht nur auf Instagram, auch im wahren Leben merkt man schnell: Paulina hat Benzin im Blut. Die Racing-DNA hat sie von ihrem Vater geerbt, der früher Moto-GP-Rennen gefahren ist. Zusammen mit ihrem Dad und ihrem in der Szene weit bekannten Bruder Patrick bereist sie die Rennstrecken Europas und tritt bei Motorradrennen wie der Classic Trophy mit ihrer Zweitakter-Maschine an. Schrauben tut sie auch, entweder in der schwäbischen Heimat in Leonberg oder bei ihrem Bruder in Frankfurt am Main. Und dort waren auch wir mit ihr unterwegs. Da der Autor dieser Story keinen Motorradführerschein hat, haben wir uns mit Paulina im HG Speedshop in Bad Homburg verabredet, wo sie an ihrem Motorrad arbeitet – und sind dann später zusammen mit dem E-Bike in die Frankfurter City gecruist.

Lass mich mal! Das kannst du doch eh nicht!

Benzin im Blut: Paulina ist mit Motorradrennsport groß geworden

Paulina bewegt sich in ihrer Freizeit häufig in von Männern dominierten Feldern: Motorradwerkstatt, -rennstrecke und Autos. Auch wenn sie sich mittlerweile einen Namen gemacht hat, kommt es nach wie vor häufig vor, dass sie bevormundet wird oder ihr gewisse Dinge nicht zugetraut werden. Natürlich freut sie sich über Hilfe. Aber Auto fahren, einparken, schrauben – bei vielen alltäglichen Dingen heißt es schnell von Männerseite: „Lass mich mal! Das kannst du doch eh nicht!“ Das ist nicht nur faktisch falsch, sondern es verunsichert auch enorm: „Jemandem zu sagen, er könnte etwas nicht, kann unvorstellbar demotivierend und demütigend sein. Am schlimmsten wiegt eine solche Aussage dann, wenn man es bei Dingen zu hören bekommt, die man entweder sehr gerne macht oder bei denen man selbst überzeugt war oder ist, dass man sie gut kann“, weiß Paulina aus eigener Erfahrung zu berichten. „Gerade im Motorsport bekommen Frauen nach wie vor nicht den nötigen Respekt entgegengebracht. Immer wieder wird davon ausgegangen, dass das Talent zwar da ist, aber nicht ausreicht. Das bedeutet wiederum, dass an dieser Stelle nicht weiter gefördert und unterstützt wird.“

Nun ist Paulina nicht sonderlich daran interessiert, irgendjemandem die Schuld für den Status quo zuzuweisen. Sie würde sich einfach nur mehr Zuspruch und Support wünschen. Entspricht man als Frau aber einem gewissen fremdbestimmten Bild, wird man schnell verurteilt. „Die ist blond, die kann das nicht.“ Dabei verhindern gerade solche Vorurteile, dass man andere Menschen richtig kennenlernt. Wer in seinen Interaktionen nur an der Oberfläche bleibt, schafft es nie, einen Menschen oder eine Sache richtig zu verstehen. Das ist nicht gut für den Vorverurteilten. Aber vor allem ist es auch nicht gut für den Verurteilenden. Schade eigentlich, wenn man so aneinander vorbeilebt, oder?

Mit der Zeit hat Paulina gelernt, sich nicht abspeisen zu lassen mit Sätzen wie „Du kannst das nicht“. Denn zwischen Können und Nicht-Können liegt noch eine ganze Welt der Zwischentöne. „Talent allein ist nämlich kaum etwas wert – es geht in erster Linie um Übung“, meint Paulina. „Personen, die solche Aussagen treffen, teile ich mittlerweile in zwei Kategorien ein: Entweder sind sie damit überfordert, andere Menschen zu fördern, weil sie selbst beispielsweise nicht die nötige Erfahrung haben. Oder aber sie haben einfach keine Geduld und nicht das nötige Durchhaltevermögen, anderen Menschen dabei zu helfen, besser zu werden.“

Warum meinen eigentlich immer andere, dass sie einen besser kennen als man selbst?

„Ich finde, es ist unfassbar wichtig – nicht nur im Sport, auch auf das gesamte Leben bezogen –, sich selbst bewusst darüber zu sein, was man kann oder was nicht“, erzählt die junge Rennfahrerin. Wie das geht? „Man muss sich selbst vertrauen und geduldig mit sich sein. Man kann nicht von einem frisch gesäten Samen erwarten, dass er einen Sonnenstrahl später schon eine Pflanze ist. Manche Dinge brauchen Zeit. Manchmal sogar mehr, als einem lieb ist, aber am Ende zahlt es sich in der Regel aus.“

Die Kunst, die Selbsteinschätzung nicht anderen zu überlassen

Warum meinen eigentlich immer andere, dass sie einen besser kennen als man selbst? Warum sollte man eine Sache nicht können, nur weil jemand anderes behauptet, er könne es besser? Bevor man die Meinungen und (Vor-)Urteile der anderen einfach übernimmt, sollte man sich in Selbsteinschätzung üben.Die besten Lehrer für Paulinas Selbsteinschätzung waren und sind bis heute ihre Brüder und ihr Vater. Auf Rennen haben sie sie nicht nur mitgenommen, sondern immer auch unterstützt, wo sie nur konnten. Allerdings stets mit einer guten Portion Skepsis bezüglich ihres Könnens. Ausgesprochene Anerkennung ist im Hause Sauter ein seltenes Gut – egal, um welches ihrer Kinder es geht. Auch wenn den Männern beim Erfolg ihres weiblichen Familienmitglieds die Brust vor Stolz schwillt, so heißt es offiziell meist nur: „Gut gemacht, aber geht besser.“ Schließlich ist die Familie im Ländle zu Hause und da ist nicht gemeckert eben schon genug gelobt. Das kann unnötig frustrierend sein, gleichzeitig ist es aber auch eine Chance, trotz Gegenwind die eigene Position zu finden. Und genau das macht Paulina auch in ihrem Alltag.

Das echte Leben lässt uns keine Wahl: Kids statt Karriere

Statt bei Porsche Karriere zu machen, wie sich ihre Eltern das gewünscht hätten, hat Paulina die Ausbildung gewechselt. Und die vermeintliche finanzielle Sicherheit und das Prestige eines Großkonzerns gegen die Bodenständigkeit und Menschlichkeit als Erzieherin in einem Kindergarten getauscht.

Auch wenn Paulina viele Optionen hatte, so weiß sie doch, dass sie keine Wahl hatte. „Deine Gefühle und dein Herz sagen dir recht schnell, ob etwas richtig oder falsch ist, für dich passt oder eben nicht“, erzählt sie. „Ich habe schnell gemerkt, dass im Büro vor einem Rechner zu sitzen nichts für mich ist. Die Arbeit mit den Kids hingegen gibt mir so viel – das lässt sich mit Geld nicht bezahlen. Auch wenn diese Entscheidung einige Enttäuschungen und Konsequenzen in meinem Umfeld bedeutet hat, hatte ich keine Wahl. Ich will kein Schmerzensgeld für einen Beruf, der mir nicht gefällt. Schließlich macht der Beruf einen großen Teil des Lebens aus. Das lässt sich nicht trennen.“

Neue Freunde: Skaten…
… und E-Biken rollt bestens

Wenn wir unser Leben richtig leben wollen, dann haben wir keine Wahl. Dann müssen wir unsere eigenen Entscheidungen treffen. Das ist oft unbequem, kostet anfangs Mut und bedeutet, Verantwortung für das eigene Handeln und die Konsequenzen zu übernehmen. Doch es bringt Selbstbewusstsein, Glück und die Gewissheit, zu leben statt gelebt zu werden. Dazu gehört auch, festgefahrene Vorstellungen vom Wert einer Aufgabe zu hinterfragen und Vorurteile zu durchbrechen. Warum sollten Erzieher weniger Ansehen verdienen als Banker oder Mitarbeiter eines renommierten Unternehmens? Warum sollte die Erziehung der neuen Generation, das Menschliche und Alltägliche, weniger wert und wichtig sein als Zulieferer-Verhandlungen, E-Mail-Ketten oder die rein wirtschaftliche Produktivität?

„Ich habe die Hoffnung, dass die Corona-Krise vielen Menschen zeigt, was verzicht- und unverzichtbar ist, was wirklich wichtig und was erfundener Bullshit ist.“ Paulina hat hautnah mitbekommen, wie wirtschaftlich erfolgreiche, geschäftstätige Eltern verzweifeln, wenn die Betreuung der Kinder auf einmal nicht mehr sichergestellt ist. Das Schöne ist: Wenn Paulina von diesen Dingen redet, dann haben ihre Aussagen nichts Schweres, Zynisches oder Frustriertes. Sie benennt die Dinge einfach so, wie sie sind. Wer nicht offen für Neues ist und in Vorurteilen denkt, der kann das nicht. Der verpasst die tollsten Momente, wertvolle Begegnungen und Erfahrungen, weil er sie gar nicht aktiv mitbekommt, sondern alles immer gleich in mentalen Schubladen verstaut. Aber in die passt das Leben nun mal nicht rein, und Paulina erst recht nicht. Das merkt man auch an der eher ungewöhnlichen Wahl ihres Stadtfahrrads. Denn als wir mit ihr zusammen am Hafenpark in Frankfurt entlang gefahren sind, hat sie uns erzählt, warum ein Tiefeinsteiger eigentlich ziemlich cool sein kann.

Keine Wahl – manchmal gibt es für das Richtige nur ein Gefühl

Oben ohne

Tiefeinsteiger sind zwar populär, allerdings vor allem bei den älteren Generationen. Das fehlende Oberrohr macht diese Bikes für viele Menschen direkt zum Oma-Rad. Vorurteil? Check! Dennoch oder gerade deshalb lässt sich die blonde, junge, an Motorrädern schraubende Paulina auch nicht davon abhalten, mit einem HNF-NICOLAI UD3 in knalligem Rot durch die Stadt zu cruisen. Schließlich ist das UD3 alles andere als altbacken, sondern modern und selbstbewusst. Das in Deutschland hergestellte Bike steckt voller Liebe zum Detail, aber das erkennt man natürlich erst, wenn man einen zweiten Blick wagt. Und so war es auch bei Paulina: Die kantige Formsprache, die Schweißnähte, das ingenieurtechnische Know-how und die Craftsmanship, die in dieses Bike geflossen sind, erinnern sie an die robuste Technik ihrer Rennmaschine. Deshalb ist das UD3 mittlerweile auch die beste Wahl für sie, wenn sie nicht gerade mit ihrem Stadtmotorrad, einer alten Honda, unterwegs ist. Fixie fährt ja heute jeder, damit fällt man nicht mehr auf – ein Tiefeinsteiger mit starkem Bosch-Motor bietet maximalen Komfort und schnelles Vorankommen in der City.

Und so cruist Paulina los, trifft alte Freunde und macht neue Freunde in der Stadt. Sich mit dem Tiefeinsteiger im Skatepark sehen lassen? Klar, warum immer nur Erwartungen und Stereotype erfüllen? Im Skaterlook in den Skatepark, das ist was für Anfänger.

Das Glück in der eigenen Hand

Motorrad-Rennen am Wochenende und Tiefeinsteiger in der City – warum sollte das nicht zusammenpassen? Es ist doch langweilig, wenn man nicht das macht, was einem guttut und was für einen das Richtige erscheint, nur weil man die Erwartungen der anderen zu erfüllen versucht. Das ist nicht nur anstrengend, man kann auch nie gewinnen. (Selbst-)Bewusstsein ist für Paulina der Schlüssel zum Glück. Ganz egal, ob es dabei um die Wahl des Berufs, des Bikes oder der Rennstrecke geht. Warum sollte man sein persönliches Glück von den Erwartungen und Urteilen anderer abhängig machen, wenn man doch nur selbst fühlen kann, was für das eigene Leben richtig und was falsch, passend und unpassend ist?

Nur wer Vorurteile hinter sich lässt, kann erkennen, wie vielschichtig und wunderschön das Leben und die Menschen doch eigentlich sind. Und dass es sich oftmals lohnt, sich seinen ganz eigenen Weg zu suchen. So wie Paulina das macht – als Frau im Motorradrennsport, als 21-Jährige, die sich gegen eine Karriere im Anzug entschieden hat, und als Fan von Tiefeinsteiger-Bikes. Aber wie sagt sie so schön? Wer sein eigenes, selbstbestimmtes Leben leben will, der hat im Grunde keine Wahl.


Mehr Infos zum Bike: hnf-nicolai.com

Das HNF UD3 im Detail

HNF-NICOLAI UD3 All-Terrain

4.580 €

Ausstattung

Motor Bosch Performance CX
Akku Bosch PowerTube Akku 625 Wh
Display Bosch Intuvia
Fork SR Suntour Mobie 75 mm
Sattelstütze Humpert Atar 31
Bremsen Magura MT4 180/180 mm
Schaltung Enviolo Trekking
Vorbau Satori Compact
Reifen Schwalbe Super Moto-X

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 25,5 kg
Zul. Gesamtgewicht (zGG) 130 kg
Max. Zulandung (Fahrer) 95 kg

Besonderheiten

Konfigurator mit zahlreichen Optionen

625-Wh-Akku, Bosch Performance CX-Motor, elektronische Naben-Automatik-Schaltung, GATES CARBON DRIVE und integrierte Supernova-Lichter – das HNF-NICOLAI UD3 hat’s drauf!

Words & Photos: Robin Schmitt